Brennende Bäume

AFP/JOSH EDELSON

Die Hölle! Kulturen des Unerträglichen

Eindrücke vom Philosophicum Lech 2018
Gestaltung: Martin Haidinger

Für manche Zeitgenossen scheint es auf der Hand zu liegen: Die Hölle, das sind die anderen! Seit Jean-Paul Sartres existentialistischer Deutung ist zumindest klar, dass es die Menschen selbst sind, die sich ihr eigenes und das Leben der anderen zur Hölle machen.

Das ursprünglich religiös gedachte Modell der Hölle wird zur Metapher, mit der wir im Alltag und in der Geschichte jene Situationen beschreiben, die als unzumutbar, quälend, letztlich unerträglich empfunden werden. Indes ist das Unerträgliche weder chaotisch noch anarchisch, es gehorcht Regeln, Ritualen, Zwängen und Wiederholungen. Es handelt sich um Kulturen des Unerträglichen, die von der Hölle in Beziehungen und Familien bis zu den Höllen der Sucht, von den Höllen der Gewalt und der Kriege bis zur Hölle des Cybermobbings und des Hasses in den sozialen Netzwerken, von der Hölle der Naturkatastrophen bis zu den Höllen des Terrors und der politischer Repression reichen.

Trotzdem steckt in jeder Hölle noch ein religiöser Kern. Die Qualen, die sich Menschen ausgemalt haben, sind Dokumente eines Bewusstseins von Gerechtigkeit. Der Böse, der der irdischen Gerichtsbarkeit entkommen konnte, sollte wenigstens im Jenseits dafür büßen. Die Konzepte dieser religiösen Vorstellungen einer ausgleichenden jenseitigen Gerechtigkeit reichen von einer freudlosen Unterwelt über ein reinigendes Fegefeuer bis zu einem ausgeklügelten System von Foltern und Qualen und der ewigen Verdammnis. Die Hölle und ihre Bilder sind so selbst zu einer Quelle der Kultur geworden, von Dantes "Inferno" bis zu Don Giovannis Höllenfahrt, von den grausamen Weltgerichtsphantasien des Hieronymus Bosch bis zu den modernen Darstellungen auswegloser Situationen reichen die ästhetischen Bearbeitungen und Variationen der Hölle. Ohne Hölle und Höllenfahrten wären Literatur, Kunst und Musik um einiges ärmer.

In einer Sendung von Martin Haidinger mit Eindrücken vom 22. Philosophicum Lech machen sich Philosophen, Kultur- und Sozialwissenschafter Gedanken über die Hölle und ihre religiösen und weltlichen Dimensionen.

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