Einojuhani Rautavaara

AFP/MARTII KAINULAINEN

Mozart, Rautavaara, Brahms

Alina Ibragimova, Elina Vähälä und Mairead Hickey, Violine; Nils Mönkemeyer und Dana Zemtsov, Viola; Christopher Marwood und Ella van Poucke, Violoncello; Quatuor Danel; Barry Douglas, Klavier. Wolfgang Amadeus Mozart: aus: Duo für Violine und Viola G-Dur KV 423 Einojuhani Rautavaara: Streichquintett "Unknown Heavens" Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34 (aufgenommen am 6. Juli im Bantry House, Bantry im Rahmen des "West Cork Chamber Music Festival 2018"). Präsentation: Peter Kislinger.

Vom Klangingenieur zum Gärtner

Einojuhani Rautavaara wurde gestern, am 9. Oktober, vor 90 Jahren in Helsinki geboren. Der am 27. Juli 2016 verstorbene Rautavaara ist der nach Jean Sibelius meist aufgeführte finnische Komponist. Außerhalb Finnlands ist er mit seiner Oper "Vincent", dem "Cantus Arcticus" und mit "Angel of Light" (seiner 7. Symphonie) bekannt geworden.

Rautavaaras kompositorischer Weg führte ihn vom Neoklassizisten über "tonale Atonalität" bzw. Dodekaphonie zu einer eigenwilligen Stilsynthese. Ab den 1970er Jahren wollte er nicht mehr "Ingenieur der Musik" sein, sondern verstand sich als "Gärtner", der das "Organische mit der Disziplin" zu verbinden trachtete. Um Moden, "Forderungen des Zeitgeistes", habe er sich seit dem "Cantus Articus" nicht mehr gekümmert. "Die Zeit fordert überhaupt nichts, Menschen schon", aber deren Forderungen seien zeitbedingt. "Wer in der Kunst mit der Zeit geht, ist verurteilt, hinter ihr zurückzubleiben. So schnell kann man gar nicht schauen, schon sind aus den radikalsten Modernisten die rabiatesten Konservativen geworden. Es nützt jedoch nichts, hochnäsig zu sagen: Wenn meine Kunst nicht im Einklang mit der Zeit ist, so ist das die Schuld der Zeit. Da wäre mir schon lieber, meine Musik wäre zeitlos."


Streichquintett "Les Cieux inconnues"

Sein 1997 uraufgeführtes 1. Streichquintett "Les Cieux Inconnues" hätte Rautavaaras 5. Streichquartett werden sollen, doch entwickelte das Werk, wie er verschmitzt erzählte, "einen eigenen Willen. Es wollte zwei Celli, ja verlangte ganz bestimmt nach einem zweiten Cello. Ich fand wieder einmal Thomas Mann bestätigt: Manchmal sei es schwer, nicht an einen metaphysischen Eigensinn der Kunstwerke zu glauben." Und wie Sibelius fühlte sich Rautavaara als ein "Sklave seiner Motive." Rautavaara, in deutschsprachiger Literatur und Philosophie (R.M. Rilke war einer seiner Lieblingsdichter) bewandert, liebte solche Mystifikationen. Das zweite Cello verleiht dem Werk nicht nur ein dichteres Motivgewebe, sondern eröffnet auch reichere Klangmöglichkeiten.

Das alle vier Sätze durchwandernde Motiv hatte Rautavaara bereits in den 1960er Jahren in einer Komposition für Männerchor verwendet. Die letzten Worte in Charles Baudelaires Sonett "La Mort des Pauvres" lauten "les Cieux inconnus", unbekannte Himmel. Das Motiv ist gleich im zweiten Takt des ersten Satzes in der zweiten Violine als Antwort auf die Frage der ersten Violine zu hören. Der 4. Satz greift die langsame Einleitung des ersten Satzes auf, doch habe das Motiv auf der "langen Reise eine Wandlung erfahren, verändert durch die Zeit, so wie wir von ihr verändert werden - es ist gespiegelt, wird jetzt aus einem anderen Winkel betrachtet." Der Rest des Satzes ist ein Abgesang mit abgeworfenem Gepäck, mit zunehmenden Schwung, tänzerischer Leichtigkeit und, so Rautavaara, "voller Schönheit, bevor es sich unbekannten Sphären zuwendet - ad astra ..."

Playlist

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Titel: Duo für Violine und Viola in G-Dur KV 423
* Rondeau : Allegro - 3.Satz (00:05:05)
Solist/Solistin: Alina Ibragimova, Violine
Solist/Solistin: Nils Mönkemeyer, Viola
Länge: 05:05 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Einojuhani Rautavaara/ 9. Oktober 1928 - 27. Juli 2016
Titel: Quintett für Streicher "Les ciels inconnues" / "Unknown Heavens"
* 1.Satz
* 2.Satz
* 3.Satz
* 4.Satz
Streichquintett
Solist/Solistin: Elina Vähäla, Violine
Solist/Solistin: Maired Hickey, Violine
Solist/Solistin: Dana Zemtsow, Viola
Solist/Solistin: Christopher Marwood
Solist/Solistin: Ella van Pauke, Violoncello
Länge: 27:45 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Johannes Brahms/1833 - 1897
Titel: Quintett für Klavier und Streicher in f-moll op.34
* Allegro non troppo - 1.Satz
* Andante, un poco adagio - 2.Satz
* Scherzo; Allegro - 3.Satz
* Finale. Poco sostenuto, Allegro non troppo - 4.Satz
Ausführende: Quatuor Danel
Ausführender/Ausführende: Marc Danel, Violine
Ausführender/Ausführende: Gilles Milet, Violine
Ausführender/Ausführende: Vlad Bogdanas, Viola
Ausführender/Ausführende: Yovan Markovitch, Violoncello
Solist/Solistin: Barry Douglas, Klavier
Länge: 41:20 min
Label: EBU

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht