Christian Scheib blättert in einem Buch "Artur Klinau, Minsk - Sonnenstadt der Träume"

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Nebenan: Weißrussland/Belarus

"Die weißrussische Sprache II" - Diagonal zum Thema Weißrussland 2018
Präsentation: Christian Scheib

Es sei, sagen uns die ersten Mitarbeiter/innen, die von Recherchereisen aus Weißrussland zurückkommen, nicht günstig, bei den meist auf Englisch geführten Gesprächen "Belorussia" zu sagen. Das sei (zu sehr) russisch, also besser gleich die international eingeführte Bezeichnung "Belarus" verwenden. Und auf Deutsch eben "Weißrussland".

Vermutlich mehr als andere ehemalige Sowjetrepubliken ist Weißrussland von seinem Verhältnis und Nichtverhältnis zu Russland geprägt. Historisch kann man Wurzeln dafür im Mittelalter - der Zeit der Schwarzen Rus und der weiter westlich gelegenen Weißen Rus - ebenso finden, wie in den Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges auf weißrussischem Territorium. Heute, da das Land Jahrzehnte autoritärer Regierung hinter sich hat, scheint sich schon deswegen das Verhältnis zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken in der Nachbarschaft weiterhin auf schiefen Bahnen unterschiedlicher Entwicklungsrichtungen zu bewegen.

Diagonal schürft an unterschiedlichen Stellen: Das reicht von der boomenden IT-Branche über die "Exil-Universität" im benachbarten, litauischen Vilnius zu historischen Untersuchungen zu Mythos und Ideologie der Partisanen anhand der Literatur von Wassil Bykau, Ales Adamowitsch und deren Schülerin, der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch.

Auch die 1981 in Minsk geborene Lyrikerin Valzhyna Mort ist in genau diesem russisch-weißrussischen Zwiespalt aufgewachsen und schreibt bis heute darin, daran und darüber. Auf Russisch, auf Weißrussisch, auf Englisch. So sehr manche ihrer Gedichte in der grimmigen Tradition einer russischen Lakonie der Grausamkeit stehen, so sehr können ihre Selbstbeobachtungen auch poetisch-autobiografische Aspekte dieses Themas zu Tage fördern.

"Weißrussisch ist zu Hause immer zu hören, aber nur im Radio oder Fernsehen" schreibt sie im Nachwort zu ihrem auf Deutsch unter dem Titel "Tränenfabrik" 2009 erschienen Gedichtband. "Zu Hause sprechen wir nur Russisch. In der vierten Klasse bekommen wir weißrussische Sprache und Literatur als Fach bis zum Schulabschluss. Richtiges Weißrussisch höre ich aber nur im Fach Weißrussische Geschichte. Die Lehrerin in der fünften Klasse heißt Frau Tsch. Frau Tsch. hat kurzes, schwarzes Haar und einen weichen Mund mit Lippen, so breit wie ein Daumen. Später, wenn ich vom Weißrussischen erzählen soll, davon, wieviel weicher es ist als das Russische, werde ich jedesmal statt an die weißrussische Aussprache an die Lippen von Frau Tsch. denken".

Es sei nicht zuletzt diese Musikalität des weißrussischen Sprechens, sagt die ehemalige Musikstudentin Valzhyna Mort, die sie zur Lyrikerin werden ließ, und betitelt ihr Nachwort "Eine Sprache, die der Musik hinterherläuft" und eines ihrer Gedichte "Die weißrussische Sprache II".

Service

Valentin Akudowitsch, "Der Abwesenheitscode: Versuch, Weißrussland zu verstehen", aus dem Russischen von Volker Weichsel, Edition Suhrkamp

Swetlana Alexijewitsch, "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht", aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt , Suhrkamp Verlag

Maxim Harezki, "Zwei Seelen", aus dem Weißrussischen und mit einem Glossar von Norbert Randow, Gundula und Wladimir Tschepego. Guggolz Verlag

Artur Klinau, "Minsk - Sonnenstadt der Träume", aus dem Russischen von Volker Weichsel, Edition Suhrkamp

Viktor Martinowitsch, "Mova", aus dem Belarussischen von Thomas Weiler, Verlag Volland & Quist

Valzhyna Mort, "Die Tränenfabrik. Gedichte", aus dem Weißrussischen von Katharina Narbutovic, und "Kreuzwort. Gedichte", aus dem Englischen von Uljana Wolf und Katharina Narbutovic, Edition Suhrkamp

Aus rechtlichen Gründen kann "Diagonals feiner Musiksalon" nicht zum Download angeboten werden.

Playlist

Komponist/Komponistin: Lavon Volski
Titel: Mensk
Ausführende: NRM
Länge: 01:38 min
Label: CD Belarusian Red Book, Label dbg

Komponist/Komponistin: Oxana Omelchuk
KM: musikprotokoll 2017/18 - Studio Dan - 20171005 (5.1) (FL16/2075/4-10_G)
Titel: Wow and Flutter (2017) / UA
Untertitel: für zwei Posaunen und Ensemble
* IV. Long Play II: Licks <7> (00:02:52)

MP 2017, steirischer herbst 2017
Solist/Solistin: Matthias Muche /Posaune
Solist/Solistin: Daniel Riegler /Posaune
Ausführende: Studio Dan
Leitung: Daniel Riegler /Musikalische Leitung
Länge: 01:15 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Palac
Titel: Kola hrukatala (Das Rad ratterte)
Ausführende: Palac
Länge: 03:40 min
Label: CD Belarusian Red Book, Label dbg

Komponist/Komponistin: Ja naradziusia tut
Titel: Ja naradziusia tut (Ich wurde hier geboren)
Ausführende: Ja naradziusia tut
Länge: 03:08 min
Label: CD Belarusian Red Book, Label dbg

Komponist/Komponistin: Zmicer Vajciushkievich/ Lavon Volski
Titel: Pasvilla Kasia koni (Kasia hütet die Pferde)
Ausführende: WZ-orkiestra
Länge: 02:40 min
Label: CD Belarusian Red Book, Label dbg

Komponist/Komponistin: Drum Ekstasy
Titel: Los 4
Ausführende: Drum Ekstasy
Länge: 01:51 min
Label: CD Belarusian Red Book, Label dbg

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