Martin Brandlmayrs "Vive les fantômes" erhält den 57. Karl-Sczuka-Preis

"Vive les fantômes" des österreichischen Schlagzeugers und Komponisten Martin Brandlmayr wurde mit dem renommierten Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst 2018 gewürdigt.

Erinnerung und Wiederholung sind wichtige Werkzeuge in der Komposition von Musik. Seit Jahren experimentiert der Musiker und Komponist Martin Brandlmayr mit diesen strukturbildenden Elementen.

Bei seinem Hörspieldebüt bezieht er sich zudem auf den Philosophen Jacques Derrida, der in diesem Stück auch immer wieder zu Wort kommt. Brandlmayr widmet sich den "Gespenstern", die ihn in seinem Schaffen geprägt haben: Miles Davis, Billie Holiday und Thelonious Monk, aber auch Filme wie "Sans Soleil" von Chris Marker und Hitchcocks "Vertigo".

Wir sind, als Teil einer Realität, die nicht endgültig fassbar ist, ständig von "Gespenstern" umgeben. "Vive les fantômes" ist also als Aufruf gemeint, in einer Gesellschaft die tendenziell versucht alles Uneindeutige oder Unzuordenbare auszublenden oder an den Rand zu drängen, all diese von uns verdrängten mehrdeutigen Schwellenwesen mitten im Leben willkommen zu heißen, sich lustvoll mit ihnen zu beschäftigen und gemeinsam mit ihnen umzugehen.

Eine Vielzahl von akustischen Momentaufnahmen (Field-Recordings, Sprachfetzen, Musik etc.) bilden ein Netzwerk, eine in sich verwobene Struktur, in der immer wieder Motive auftauchen, sich aufeinander beziehen, Verbindungen herstellen. Eine Vielheit von Musik und Klang, ein Spiegelkabinett, eine Echokammer, die sich mit steigender Entfernung zu einem Rauschen verdichtet. Diese und andere Tonaufnahmen tauchen als Gespenster einer vergangenen Zeit zum Teil in immer neuer Gestalt wieder und wieder auf, ähnlich musikalischen Motiven einer Fuge, permutiert und verändert, immer wieder in neuem Kontext, in neuer Umgebung, aus einer neuen Perspektive. Die Rhythmik und der Klang des Schlagzeugs mit seinen erweiterten Klangmöglichkeiten bilden einen Rahmen, verbinden, verknüpfen, stellen einen musikalischen Kontext her.

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Ö1 Kunstradio
57. Karl-Sczuka-Preis

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