Alexander Solschenizyn

AP/MSG

Der Chronist des Gulags

Zum 100. Geburtstags von Alexander Solschenizyn.
Von Brigitte Voykowitsch

Für "die ethische Kraft, mit der er die unentbehrlichen Traditionen der russischen Literatur weitergeführt" habe, wurde Alexander Solschenizyn 1970 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Er selbst konnte allerdings nicht zur Annahme des Nobelpreises nach Stockholm reisen. In den Westen kam der Autor erst vier Jahre später: 1974 wurde er nach der Veröffentlichung seines Werks "Archipel Gulag" vom sowjetischen Regime verhaftet und ausgewiesen.
Gulag war das offizielle sowjetische Kürzel für die "Hauptverwaltung der Umerziehungs- und Arbeitslager". Die Unterdrückung, die Gewalt und den Terror, die dort herrschten, hatte der Stalin-Kritiker selbst als Insasse zu spüren bekommen. - Aus dem amerikanischen Exil kehrte Solschenizyn erst 1994 nach Russland zurück, wo er die fehlgeleiteten Reformen unter Boris Jelzin kritisierte. Andererseits sparte er auch nicht mit Kritik am System westlicher Demokratien und näherte sich später der russisch-orthodoxen Kirche, Präsident Vladimir Putin und dem Nationalismus an. - Wie lässt sich Solschenizyns Erbe heute deuten?

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