Auf den Spuren von Luna Alcalay und Francis Burt

Spurensuche. Luna Alcalay und Francis Burt. Gestaltung: Hannes Heher

Musik entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in Beziehung zu dem bereits vorhandenen - und sei es in der Form, sich zu entscheiden, es ganz anders machen zu wollen. In unserer Serie "Zeit-Ton Spurensuche" bringen wir österreichische Musik zu Gehör, die gegenwärtig im Konzertleben so gut wie verschwunden ist, die aber vor einigen Jahrzehnten präsent war und deren Urheber/innen zum Teil eine wichtige Rolle im österreichischen Musikleben gespielt haben. In der heutigen Zeitton-Sendung beschäftigen wir uns mit Musik von Luna Alcalay und von Francis Burt, die, ursprünglich aus dem Ausland kommend, Wien als lebenslangen Aufenthaltsort gewählt und die dortige Musikszene in durchaus unterschiedlicher Weise beeinflusst haben.

Die 1928 als Tochter eines altösterreichischen jüdischen Textilkaufmanns in Zagreb geborene und 2012 in Wien gestorbene Luna Alcalay gehört zweifellos zu den interessantesten Komponistinnen Österreichs. Nach Studien in ihrer Heimatstadt sowie in Tel Aviv ließ sich die 23-Jährige an der Wiener Musikakademie weiter in Komposition (bei Alfred Uhl) und Klavier (bei Bruno Seidlhofer) ausbilden. Die österreichische Hauptstadt blieb in weiterer Folge auch ihr Lebensmittelpunkt. Durch ihre Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen kam sie in Kontakt mit wichtigen Vertretern der Avantgarde, besonders beeinflussten sie Luigi Nono und Bruno Maderna, der sogar eines ihrer frühen Werke für Chor und Orchester aus der Taufe hob. Zu Beginn von der seriellen Kompositionsweise fasziniert, wurde deren Strenge für Luna Alcalay in weiterer Folge immer weniger wichtig, der Blick über den Tellerrand - nicht nur in musikalischer Hinsicht - umso bedeutender. Ihr Werkkatalog umfasst Kompositionen aller Gattungen, Werke für das Musiktheater, Orchesterwerke, verschiedenste Vokalmusik, Kammermusik, Klavierwerke, aber auch radiophone Arbeiten und elektronische Versuche sind hier zu nennen.

Eine zweite Heimat in unserem Land fand auch der Engländer Francis Burt (1926 - 2012), der sich nach einer Kompositionsausbildung an der Royal Academy of Music in London (bei Howard Ferguson) und in Berlin (bei Boris Blacher) 1956 dauerhaft in Wien niederließ und dort in weiterer Folge lange Jahre als erfolgreicher Professor für Komposition wirkte. In seinen frühen Arbeiten noch stark dem Tänzerischen und Rhythmischen verpflichtet, wurde sein Musikstil laut eigener Aussage immer mehr von elektronischer Musik beeinflusst: schwebend, mit nur wenig spürbarem Puls, jedoch mit Klangbändern, Klangflächen und einer zunehmenden Überlagerung von Linien zu einem polylinearen Gefüge. Burt trat ebenfalls als erfolgreicher Komponist für das Musiktheater hervor, beschäftigte sich jedoch auch mit Orchesterwerken, Vokal- und Kammermusik. Beide, Luna Alcalay wie Francis Burt, gehörten noch vor wenigen Jahren zu den viel aufgeführten Vertretern ihrer Zunft, Grund genug für "Zeit-Ton", sich wieder auf die Spur dieser beiden Ausnahmekünstler zu begeben.

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Luna ALCALAY
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Dante Alighieri
Titel: Una strofa di Dante in tre disposizione e un epilogo
per coro e orchestra (1967) (AUSSCHNITT)
Chor: ORF Chor
Choreinstudierung: Gottfried Preinfalk
Orchester: Radio Symphonieorchester Wien
Leitung: Bruno Maderna
Länge: 03:50 min
Label: ORF Radio Österreich 1 CD 422

Komponist/Komponistin: Francis Burt
Album: FRANCIS BURT ZUM 75. GEBURTSTAG
* Presto - 4.Satz (00:03:38)
Titel: Streichquartett Nr.1
Ausführende: Koehne Quartett
Ausführender/Ausführende: Joanna Lewis /1.Violine
Ausführender/Ausführende: Anna Harvey Nagl /2.Violine
Ausführender/Ausführende: Petra Ackermann /Viola
Ausführender/Ausführende: Melissa Coleman /Violoncello
Länge: 03:42 min
Label: EPU 0201

Komponist/Komponistin: Francis Burt
Gesamttitel: RADIOKULTURHAUS KONZERT 19980423 (PS06/MA7021/3)
Titel: Morgana - fünf Bilder für Orchester
* Molto lento e languido - 1.Satz
* Andante misterioso - 2.Satz
* Allegro - 3.Satz
* Lento - 4.Satz
* Grave - 5.Satz
Leitung: Peter Keuschnig
Orchester: NÖ Tonkünstlerorchester
Länge: 12:10 min
Label: UE/Materialgebühr

Komponist/Komponistin: Luna Alcalay
Titel: Homo Sapiens, Akustische Szenen für Sprecher, Orchester und Einblendungen. Radiophones Stück (1977) PS01/UK24629_H (AUSSCHNITT)
Solist/Solistin: Alfred Winkler /Tenor
Solist/Solistin: Ernst Meister /Sprecher
Solist/Solistin: Marion Degler /Sprecherin
Chor: ORF Chor
Choreinstudierung: Gottfried Preinfalk
Orchester: Radio Symphonieorchester Wien
Leitung: Milan Horvat
Länge: 15:40 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Francis Burt
Gesamttitel: Wien Modern 20111123 (WMOD111123-1)
Titel: Mohn und Gedächtnis (für Paul Celan) - für Ensemble
Orchester: Klangforum Wien
Leitung: Emilio Pomarico
Länge: 07:04 min
Label: UE / Leihmaterial

Komponist/Komponistin: Luna Alcalay
Gesamttitel: Konzert Palais Kabelwerk 20121025 (KO121025-7)
Titel: Verlorene Wege, verborgene Pfade für Streichquintett - Auftragswerk e_may
Ausführende: PHACE
Leitung: Jean-Bernard Matter
Länge: 07:01 min
Label: Edition HH

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