Demonstranten gegen den 12 Stunden Tag

APA/HERBERT PFARRHOFER

100 Jahre Achtstundentag

Was bleibt von der einstigen Utopie der Arbeitszeitverkürzung
Gäste:
Sigrid Stagl, Volkswirtin und Leiterin des Instituts für Ökologische Ökonomie an der WU Wien.
Andreas Weigl, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs
Moderation: Elisabeth Scharang
Wenn Sie sich an der Sendung beteiligen möchten: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 - kostenlos aus ganz Österreich - oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at.

1885 wurde der elfstündige Maximalarbeitstag in Fabriken eingeführt. Es war der Auftakt einer Geschichte der Arbeitszeitverkürzung, deren Meilensteine die Einführung der 48-Stunden-Woche 1919, der 40-Stunden-Woche 1975 und die stufenweise Ausweitung des Urlaubsanspruches in Österreich auf fünf Wochen bis 1986 waren.
Was hat die Regulierung der Arbeitszeit auf den 8 Stunden-Tag im Jahr 1919 verändert und wohin hat sich der Diskurs um eine weitere Arbeitszeitverkürzung seither bewegt? Reformen des Arbeitszeitgesetzes und des Arbeitsrechts zu Ungunsten der ArbeitnehmerInnen haben im letzten Jahr sowohl in Ungarn als auch in Frankreich zu Massenprotesten geführt. Auch in Österreich ist die Gewerkschaft gegen die Einführung des 12-Stunden-Tages auf die Straße gegangen. "Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes braucht neue Rahmenbedingungen", fordern die Befürworter der Reformen. "Sie führen uns geradewegs zu Arbeitszeitmodellen, die bereits vor 130 Jahren überwunden wurden", kritisieren die Gegner.
Hat die Debatte um die Arbeitszeitflexibilisierung die Diskussion über Arbeitszeitverkürzung verdrängt oder gar obsolet gemacht? Und kann man Arbeit und Arbeitsmarktpolitik heutzutage noch getrennt von Ökologie und sozialen und gesellschaftlichen Ressourcen diskutieren?
"In einer Zeit, in der wir mit den heftigen ökologischen Auswirkungen unserer Industrie und Landwirtschaft zu tun haben, kann man den Arbeitsmarkt nicht von der Diskussion um die Umweltbelastung trennen", argumentiert Sigrid Stagl, Leiterin des Instituts für Ökologische Ökonomie an der WU Wien. "Nachdem wir wissen, dass höhere Einkommen in unserem momentanen Beschäftigungssystem längere Arbeitszeiten und auch eine höhere Umweltbelastung bedeuten, muss man die Frage stellen: Wieviel Arbeitsvolumen ist für unsere Gesellschaft wünschenswert? Und wie kann nachhaltiges Arbeiten aussehen?"

Sendereihe

Playlist

Untertitel: Klaus Bergmaier
Titel: Die Arbeiter von Wien
Ausführende: Angelika Sacher & Klaus Bergmaier
Länge: 02:05 min
Label: Preiser Records

Untertitel: John Lennon
Titel: Working Class Hero
Ausführende: John Lennon
Länge: 03:46 min
Label: Capitol Records

Untertitel: Uri Caine
Titel: Call For All Demons
Ausführende: The Philadelphia Experiment
Länge: 01:37 min
Label: CBS