Rohdiamanten liegen auf einer Hand

AFP/ALEXANDER JOE

Afrikas Reichtum als nicht abzuschüttelnder Fluch

Zur postkolonialen Geschichte. Mit Thomas Spielbüchler, Senior Lecturer am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz.
Gestaltung: David Winkler-Ebner

Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar des Folgejahres versammelten sich auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Bismarck 13 Vertreter europäischer Regierungen, der USA sowie des Osmanischen Reichs in Berlin. Diese Zusammenkunft sollte als die "Berliner Kongokonferenz" in die Geschichte eingehen, die den sogenannten "Scramble for Africa" eröffnete. Auch wenn man sich laut dem Historiker Franz Ansprenger von der Vorstellung einer Grenzziehung mit dem bloßen Lineal verabschieden muss, wurde in Berlin die Aufteilung und Kolonialisierung Afrikas besiegelt - und das in Abwesenheit von Vertretern der damals noch unabhängigen afrikanischen Staaten wie Liberia, Sansibar, Marokko oder Äthiopien.

Rund ein halbes Jahrhundert später war der Spuk wieder vorbei. Durch eine Reihe von Gründen - etwa der Fokussierung der Kolonialmächte auf Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und aufkeimenden Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien - wurde Afrika in der Mitte des 20. Jahrhunderts von einer Welle der Dekolonialisierung erfasst, die bis zum Anfang der 1980er Jahre im Wesentlichen abgeschlossen war.

Die Situation der ehemaligen Kolonien war aber keineswegs eine leichte. Die Mehrheit der ehemaligen Kolonien trat in einen Kreislauf ein, den Thomas Spielbüchler als den "negativen Zyklus des Nationbuilding" bezeichnet, wobei "Nationbuilding" - über die herkömmliche Verwendung des Begriffes "Nation" hinausgehend - mehr als die Stabilisierung des Identitätsbewusstseins einer Bevölkerung meint; viel eher geht es in einem weiteren Sinn neben der Stärkung des sozialen Zusammenhalts auch um institutionellen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufbau.

Dieser Prozess wurde in der Geschichte des postkolonialen Afrikas immer wieder von einer Reihe negativer Einflussfaktoren wie externen Interessen im Kalten Krieg, strukturellen Gegebenheiten wie dem Klima und der ethnischen Zusammensetzung sowie intern von politischem Tribalismus beeinflusst. Dies führte in den meisten Fällen zu "bad governance", einem verantwortungslosen Regierungsstil, der früher oder später in "schwache" bzw. "gescheiterte" Staaten mündete. "Afrikanische Erneuerung" lautet das Schlagwort, das nach dem Ende des Kalten Krieges die Hoffnung auf den Ausbruch aus diesem Kreislauf zum Ausdruck brachte. Verbunden ist damit das von Nelson Mandela propagierte Selbstverständnis der afrikanischen Staatsträger als aktive Akteure mit eigener Verantwortung für die Entwicklung ihres Kontinents. Nur ein verantwortungsvoller Regierungsstil, also "good governance", kann laut Thomas Spielbüchler den Weg zu stabilen und funktionsfähigen Staaten in Afrika ebnen.

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