Andrey Boreyko

RICHARD DE STOUTZ

Musik auf Leben und Tod

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Andrey Boreyko; Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien; Nils Mönkemeyer, Viola. Galina Ustwolskaja: Sinfonisches Poem Nr. 2 (1959, Österreichische Erstaufführung) Gija Kantscheli: Styx für Viola, gemischten Chor und Orchester (1999; Österreichische Erstaufführung) Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 47 (aufgenommen am 14. März im Großen Musikvereinssaal in Wien in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Gerhard Krammer

Musik auf Leben und Tod

"Der Saal war überfüllt, und die Menschen warteten erregt auf die Uraufführung. Es herrschte eine sensationslüsterne Atmosphäre" (Krzysztof Meyer in seiner Schostakotwitsch-Biografie). Die Uraufführung der Fünften Symphonie d-Moll op. 47 von Dmitri Schostakowitsch 1937 in Leningrad war mehr als die Premiere eines neuen Werkes. Es war eine Entscheidung über die Zukunft des sowjetischen Komponisten, über seine Existenz. Ein halbes Jahr zuvor war seine Oper "Lady Macbeth von Mzensk" offiziell verrissen worden. Nun ging es buchstäblich um Leben oder Tod.

Die Symphonien zwei bis vier verschwanden von der Bildfläche, und sein neues Werk bezeichnete der Komponist als "praktische Antwort eines Sowjetkünstlers auf gerechtfertigte Kritik". Die Aufführung wurde gefeiert, Schostakowitsch war rehabilitiert. Dass das affirmative Finale der Symphonie durchaus einen doppelten Boden hat, beschrieb Schostakowitsch in der Rückschau: "Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen wie in 'Boris Godunow'. So, als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: 'Jubeln sollt ihr, jubeln sollt ihr.' Und der geschlagene Mensch erhebt sich, kann sich kaum auf den Beinen halten. Geht, marschiert, murmelt vor sich: 'Jubeln sollen wir, jubeln sollen wir.'"

Der aus Russland stammende, weltweit gefragte Dirigent Andrei Boreiko hat zuletzt im April 2016 Schostakowitschs Erste mit dem RSO Wien aufgeführt. Ein Wiedersehen war rasch vereinbart - auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit. Für das Konzert im Musikverein ergänzt Andrey Boreyko das Programm mit Musik von Galina Ustwolskaja. Obwohl sie gern als "Lieblingsschülerin" von Schostakowitsch bezeichnet wird, liegen Welten zwischen ihren von alttestamentarischer Religiösität beeinflussten Partituren und der listigen, in der Emphase auf Beethoven aufbauenden Musik von Schostakowitsch. Das 1957 komponierte "Poèm Nr. 2" stammt aus der weniger radikalen Frühphase Ustwolskajas und zeigt zumindest Spuren der Tonsprache Schostakowitschs.

Auf eine andere Art radikal ist "Styx" des georgischen Komponisten Gija Kantscheli. Die Solobratsche - gespielt von Nils Mönkemeyer - vermittelt als Charon über den mythischen Fluss Styx hinweg zwischen den Toten und Lebenden. Wiener Singverein und RSO Wien spielen die österreichische Erstaufführung einer sehr langsamen, sehr emotionalen Komposition, in der auch des 1990 verstorbenen russischen Komponisten Alfred Schnittke gedacht wird. (Christoph Becher, Orchesterintendant des RSO Wien)

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver und eine mehrkanalfähige Audioanlage hören.

Sendereihe

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Robert Schumann
Gesamttitel: Konzert GMVS 20100514 D1054/1-3 / MZ: 1.31.06 GZ: 1.37.09
D1054/3 Symphonie Nr.2 in C-Dur op.61
Sostenuto assai. Allegro ma non troppo - 1.Satz
Scherzo. Allegro vivace - 2.Satz
Adagio espressivo - 3.Satz
Allegro molto vivace - 4.Satz
Leitung: Andrey Boreyko
Orchester: Wiener Symphoniker
Länge: 39:53 min
Label: Breitkopf/Kaufmaterial

Komponist/Komponistin: Robert Schumann/1810 - 1856
Gesamttitel: FÜNF STÜCKE IM VOLKSTON OP.102 FÜR KLAVIER UND VIOLONCELLO
Titel: Stück Nr.3 für Klavier und Violoncello op.102 : Nicht schell, mit viel Ton zu spielen
Solist/Solistin: Heinrich Schiff /Violoncello
Solist/Solistin: Gerhard Oppitz /Klavier
Länge: 04:36 min
Label: Philips 4224142

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