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Punkt eins

Gleiche Arbeit - gleicher Lohn?

Entlohnungstransparenz in Österreich. Gäste: Dr.in Nina-Sophie Fritsch, Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung, Wirtschaftsuniversität Wien, und Dr.in Sophie Schwertner, Fachbereich Arbeits- und Sozialrecht, Universität Salzburg. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Der österreichische Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert: Digitalisierung und Flexibilisierung haben Einzug gehalten, Wissensarbeit und Akademisierung haben zugenommen, der Dienstleistungssektor ist stark gewachsen. Kaum Veränderungen gab es dagegen bei geschlechterspezifischen Unterschieden: Noch immer gibt es in Österreich "typische Männerberufe" und "typische Frauenberufe", wobei die Frauenberufe in der Regel schlechter entlohnt sind.

Die Soziologin Nina-Sophie Fritsch beschäftigt sich in ihrer Forschung mit den Ursachen dieser Geschlechtertrennung auf dem Arbeitsmarkt. Dazu zählen die frühe Berufswahl, die in Österreich bereits im Alter von 13, 14 Jahren stattfindet, oder ein traditionelles Familienbild und klassische Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen bei Haus- und Betreuungsarbeit. Obwohl heute mehr Frauen erwerbstätig sind, konzentrieren sich diese auf wenige Berufe, meist kaufmännische und personenbezogene Dienstleistungsberufe bzw. das Gesundheits- und Sozialwesen.

In klassischen Frauenberufen sind nicht nur die Verdienstmöglichkeiten geringer als in jenen Arbeitsbereichen, in denen hauptsächlich Männer tätig sind. Auch das Ansehen und die gesellschaftliche Wertschätzung der Frauenberufe fällt geringer aus. Auch das verhindert, das Geschlechtergrenzen in der Arbeitswelt aufgeweicht werden. Die Lohntransparenzrichtlinie der Europäischen Union, die bis Mitte des Jahres in Österreich umgesetzt wird, soll dazu beitragen, das zu ändern.

Entgelttransparenz am Arbeitsplatz soll sicherstellen, dass nicht nur gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird, sondern auch bei gleichwertiger Arbeit. Es geht darum, Tätigkeit anhand verschiedener Kriterien zu vergleichen, wie erforderlichem Wissen, Können, Anforderungen, Belastungen, Verantwortung oder Umgebungsbedingungen und Bewertungsmaßstäbe zu überarbeiten.

Ein Beispiel: Beim Thema der Verantwortung wurden bis dato Arbeitsanforderungen wie Verschwiegenheit, der Umgang mit sensiblen Daten oder die Verantwortung für das Wohlbefinden von Menschen, Kindern oder Alten, nicht ausreichend in die Arbeitsbewertung einbezogen. Tätigkeiten, bei denen diese Anforderungen herrschen und in denen mehr Frauen als Männer arbeiten, werden im Regelfall schlechter entlohnt. Denn mit Verantwortung im Beruf wird nach wie vor Leitungsfunktionen repräsentiert - hier sind Frauen unterrepräsentiert.

Wie solche Bewertungskriterien in der Praxis aussehen könnten, die für faire Entlohnungssysteme sorgen sollen, ist eines der Themen, mit denen sich die Rechtswissenschaftlerin Sophie Schwertner in ihrer Forschung befasst. Gemeinsam mit Nina-Sophie Fritsch ist sie zu Gast bei Marlene Nowotny, um über die Bewertung von Arbeit und den Stellenwert von Transparenz bei Gehaltsschemata zu diskutieren.

Haben Sie Fragen dazu bzw. Erfahrungen mit ungerechter Entlohnung gemacht? Rufen Sie an und reden Sie mit: Sie erreichen uns telefonisch kostenfrei aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79 oder per E-Mail an punkteins(at)orf.at

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