Francis Fukuyama

APA/HERBERT PFARRHOFER

Identität neu gedacht

Die Geschichte geht weiter
Gestaltung: Martin Haidinger

"Identität kann zu Spaltung, aber auch zur Einigung benutzt werden." Francis Fukuyama, von dem dieses Zitat stammt, hat längst umgesattelt. Seit seiner These im Buch "Das Ende der Geschichte" (1992), in dem er die liberale Demokratie als Endstadium historischer Entwicklung beschrieb, ist bestürzend viel passiert, das diese Vision widerlegt hat. Mittlerweile beschäftigt sich der US-amerikanische Star-Politikwissenschafter mit einer offenbar dominierenden Frage des 21. Jahrhunderts: der Identität.

In seinem neuen Buch "Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet" plädiert Fukuyama für eine Bekenntnisidentität mit einem überschaubaren Wertekanon, der ein Angebot an Menschen jeder Abstammung, Hautfarbe und Religion sein soll. So könne künftig jedem Individuum seine Würde garantiert, und ihm zugleich ermöglicht werden, sich zu einer liberalen Gesellschaft zu bekennen. Doch wird dieses Programm in Europa mit seinen vielen Ethnien, Bekenntnissen und politischen Kulturen auf offene Ohren stoßen?
Fukuyama befindet, dass die Europäische Union hier derzeit kein zündendes Angebot biete; Europa, so der amerikanische Vordenker, hätte für die Menschen einfach keinen Wert. Nach wie vor seien die eigenen kulturellen Prägungen stärker.

Die "Erste Stiftung" lud Francis Fukuyama nach Wien ein, und startete in ihrem Jubiläumsjahr (200 Jahre Erste Österreichische Sparkasse) eine ganze Veranstaltungsreihe zur Zukunft der demokratischen Ordnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Europa - 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Im "Salzburger Nachtstudio" kommen bei Martin Haidinger neben Francis Fukuyama speziell Expert/innen aus Ost-Mitteleuropa zu Wort.

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