Der Kanal in Brüssel

AFP/EMMANUEL DUNAND

Zwischen Sprachenvielfalt und Nationalismus

Was macht Belgien aus?
Gestaltung: Laura Costan

Wer fürchtet, sich vor der EU-Parlamentswahl im heimischen Plakatdschungel zu verlieren, sollte einmal einen Blick nach Belgien werfen. Dort wird am 26. Mai gleich dreifach gewählt: Für das EU-Parlament, aber auch auf Bundesebene und in den Regionen. Diese Regionen sind in Belgien nicht eine geographische Bezeichnung, sondern politische Einheiten und Teil eines Kompromisses nach einem langen Konflikt zwischen der französischen und der flämischen Sprachgruppe. Die meisten politischen Kompetenzen, wie etwa für Wirtschaft und Verkehr, liegen in Belgien auf regionaler Ebene. Der Bundesregierung obliegen hauptsächlich nur die Sozialversicherung und eine kleine Armee. Belgien ist ein mehrsprachiger Staat - mehr als die Hälfte der 11 Millionen Einwohner spricht flämisch, etwa 40 Prozent sprechen französisch, und es gibt auch eine kleine deutschsprachige Minderheit unweit der deutschen Grenze. Drei Sprachgruppen, eine gemischtsprachige Hauptstadt, starke Regionalparlamente, und dazu eine nationalistische Unabhängigkeitsbewegung in Flandern: Wie funktioniert so ein Staat? Gibt es etwas, das alle Belgier gemeinsam haben?

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