Cornelius Hell

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Cornelius Hell über Gustav Landauer

"Die Welt ist ohne Sprache. Sprachlos würde auch, wer sie verstünde". Zum 100. Todestag von Gustav Landauer erzählt Cornelius Hell, Literaturkritiker und Übersetzer, über den Sozialisten und Anarchisten. - Gestaltung: Alexandra Mantler

"Die Welt ist ohne Sprache. ,Sprachlos würde auch, wer sie verstünde.'" So schreibt der vor 100 Jahren ermordete deutsche Schriftsteller und Theoretiker Gustav Landauer in seinem Buch "Skepsis und Mystik". Dass die Sprache ein menschliches Konstrukt ist und die großen Allgemeinbegriffe nicht viel taugen, dass die Erfahrung oft sprachlos und die Welt ein Geheimnis ist - das ist ihm wichtig. Und eher als an Theorien glaubt er an den einzelnen Menschen - an das oft zerstörte, aber dennoch unzerstörbare Menschsein in ihm, das verschüttet sein kann, das man von Masken und Kostümen befreien muss.

Der einzelne Mensch ist für Landauer der unhintergehbare Ausgangspunkt der Wahrnehmung und Erkenntnis der Welt. Er greift dabei einen Gedanken von Meister Eckhardt auf: Wenn wir imstande wären, eine Blume ganz und gar zu erkennen, hätten wir die ganze Welt erkannt. Landauer schreibt: "Der Weg, den wir gehen müssen, um zur Gemeinschaft mit der Welt zu kommen, führt nicht nach außen, sondern nach innen. Es muß uns endlich wieder einfallen, daß wir ja nicht bloß Stücke der Welt wahrnehmen, sondern daß wir selbst ein Stück Welt sind. Wer die Blume ganz erfassen könnte, hätte die Welt erfaßt. Nun denn: kehren wir ganz in uns selbst zurück, dann haben wir das Weltall leibhaftig gefunden."

Dieser anthropologische Ansatz hat für Gustav Landauer auch politische Konsequenzen: Gegen Zwangsgemeinschaften wie den Staat setzt der Anarchist Landauer auf freie Gemeinschaften freier Menschen. Als er gemeinsam mit dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und anderen den "Sozialistischen Bund" gründete, hat er versucht, eine solche Gegengesellschaft aufzubauen. Die Sozialdemokratie, in der er nur eine neue Form bürokratisch-zentralistischer Vergewaltigung sah, lehnte er ab. Landauer richtet sich auch gegen ein Geschichtsdenken, das die Guillotine als Durchgangsstadium auf dem Weg zur Demokratie oder die Diktatur des Proletariats als Mittel der Beendigung von Ausbeutung akzeptiert. Für Landauer ist das gegenwärtige Glück die Grundbedingung für jedes zukünftige Glück.

Service

Cornelius Hell, "Ohne Lesen wäre das Leben ein Irrtum. Streifzüge durch die Literatur von Meister Eckhart bis Elfriede Gerstl", Verlag Sonderzahl
"Meister Eckhart. Mystische Schriften", Übersetzung und Nachwort von Gustav Landauer, Insel Verlag
Gustav Landauer, "Skepsis und Mystik", Büchse der Pandora
Gustav Landauer, "Die Revolution", Edition AV
Gustav Landauer, "Aufruf zum Sozialismus", Inktank Publishing
Gustav Landauer, "Shakespeare", Hansebooks
Victor Klemperer, "Man möchte immer weinen und lachen in einem". Revolutionstagebuch 1919", Aufbau Verlag

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Alois Hába/1893 - 1973
Album: ALOIS HÁBA: Klavierwerke
Titel: Walzer für Klavier: Tempo di valse
Solist/Solistin: Tomás Visek /Klavier
Länge: 02:27 min
Label: Supraphon SU 31462131

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