Cornelius Hell

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Cornelius Hell über Gustav Landauer

"Die Welt ist ohne Sprache. Sprachlos würde auch, wer sie verstünde". Zum 100. Todestag von Gustav Landauer erzählt Cornelius Hell, Literaturkritiker und Übersetzer, über den Sozialisten und Anarchisten. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Zeit seines Lebens hat er gelesen, geschrieben und übersetzt, hat sich als Redner und Publizist für sein Konzept von Sozialismus engagiert und sich vor dem Ersten Weltkrieg für einen konsequenten Pazifismus und gegen jede Gewalt eingesetzt. Und dann wurde er zusammengeschlagen und zu Tode getreten: Gustav Landauer.

Im November 1918, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und dem Beginn der Novemberrevolution, lud ihn deren Anführer Kurt Eisner, der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, nach München ein. Er schrieb ihm in einem Brief: "Was ich von Ihnen möchte, ist, daß Sie durch rednerische Betätigung an der Umbildung der Seelen mitarbeiten." Kurt Eisner wurde am 21. Februar 1919 ermordet, und am 7. April wurde die Münchner Räterepublik ausgerufen. Gustav Landauer erhielt dabei den Posten des Beauftragten für Volksaufklärung; seine erste Amtshandlung war die Abschaffung der Prügelstrafe an den bayrischen Schulen.

Anfangs war die Räteregierung von unabhängigen Sozialisten und Pazifisten wie den Schriftstellern Ernst Toller und Erich Mühsam und eben Gustav Landauer dominiert. Doch schon nach einer Woche übernahmen Funktionäre der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands die Führung. Aus Enttäuschung über deren Politik erklärte Landauer am 16. April seinen Rücktritt von allen Ämtern in der Räterepublik. Doch als sie von rechten Freikorps-Verbänden gewaltsam niedergeschlagen wurde, hat man Gustav Landauer verhaftet und ins Zuchthaus Stadelheim gebracht. Dort schrie ein Offizier: "Halt! Der Landauer wird sofort erschossen." Landauer wurde gedemütigt, zusammengeschlagen und angeschossen; danach trat ihn ein Vizewachtmeister zu Tode. Die Leiche wurde geplündert und in einem Massengrab verscharrt. Mitte Mai erreichte seine ältere Tochter die Exhumierung.

Wer Gustav Landauer war, zeigt nicht der Hass, den er auf sich zog, sondern die Inschrift auf seinem Grab - ein Zitat aus seiner Schrift "Aufruf zum Sozialismus": "Es gilt jetzt, noch Opfer anderer Art zu bringen, nicht heroische, sondern stille, unscheinbare Opfer, um für das rechte Leben Beispiel zu geben."

Service

Cornelius Hell, "Ohne Lesen wäre das Leben ein Irrtum. Streifzüge durch die Literatur von Meister Eckhart bis Elfriede Gerstl", Verlag Sonderzahl
"Meister Eckhart. Mystische Schriften", Übersetzung und Nachwort von Gustav Landauer, Insel Verlag
Gustav Landauer, "Skepsis und Mystik", Büchse der Pandora
Gustav Landauer, "Die Revolution", Edition AV
Gustav Landauer, "Aufruf zum Sozialismus", Inktank Publishing
Gustav Landauer, "Shakespeare", Hansebooks
Victor Klemperer, "Man möchte immer weinen und lachen in einem". Revolutionstagebuch 1919", Aufbau Verlag

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Alois Hába
Album: ALOIS HÁBA: Klavierwerke
Titel: Walzer für Klavier: Tempo di valse
Solist/Solistin: Tomás Visek /Klavier
Länge: 02:27 min
Label: Supraphon SU 31462131

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