Klimademonstration

APA/GEORG HOCHMUTH

Schämen wir uns!

Wer schafft gesellschaftliche Schambereiche und zu welchem Zweck?
Gast: Laura Wiesböck, Autorin und Soziologin, Universität Wien.
Moderation: Elisabeth Scharang.
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79

Warum schämen wir uns? "Im Gegensatz zur Peinlichkeit wirkt Scham immer isolierend," sagt die Soziologin Laura Wiesböck. "Außerdem hat das Gefühl der Scham immer etwas mit einem Wertebewußtsein zu tun." Abgesehen von der gesellschaftlichen Disziplinierungsfunktion: Welche Rolle spielt das Gefühl der Scham, wenn es um Zusammenleben und Mitgefühl geht? Und warum braucht die Scham stets ein Publikum? Der Begriff des "Fremdschämes" wurde 2010 übrigens zum Wort des Jahres in Österreich gewählt.

Body Shaming, Cyber Shaming oder Parent Shaming; in regelmäßigen Abständen lehren uns neue Anglizismen meist über soziale Medien, wer sich wofür schämen sollte und öffentlich gedemütigt wird, damit die Bloßstellung für alle gut zu sehen ist. Wie werden diese Schambereiche abgesteckt? In welchem Kontext entsteht Scham? Und welche Rolle spielt dabei die Moral?

"Flygskam" heißt die aktuelle Schamwelle, die aus Schweden kommend nun ganz Europa erfasst, übersetzt: Flight Shaming, also die gesellschaftliche Ächtung dafür, dass man in ein Flugzeug steigt und damit den Klimawandel weiter anheizt. Und tatsächlich haben große Fluglinien wie die niederländische KLM bereits darauf reagiert, dass der Wochenendflug nach Nizza oder London, um ins Theater zu gehen oder eine Strandparty zu feiern, in bestimmten - meist urbanen - Käufer*innenschichten kein gutes Image mehr hat. Man schämt sich für Hedonismus und stellt das private Vergnügen gegenüber dem Nachhaltigkeitsgedanken zurück; oder zumindest postet man die Fotos der Flugreisen nicht mehr stolz auf Facebook.

Die Fluglinien wollen auch diesem Trend gerecht werden und fordern ihre Kundschaft auf, verantwortungsbewusst zu fliegen und sich zu überlegen, ob man jeden Geschäftspartner tatsächlich persönlich treffen muss. Hat das Gefühl der Scham und der moralische Druck, der darüber aufgebaut wird, in diesem Fall eine positive Auswirkung und kann für gesellschaftliche und politische Veränderung sorgen? Oder besteht die Gefahr, dass Nachhaltigkeit und Moral - Hand in Hand gehend - soziale Ungleichheit verschleiern? - Elisabeth Scharang schaut mit Laura Wiesböck hinter die Bedeutung des Begriffs "Scham", fragt nach der sozialen Scham und auch danach, wie die Schamhaare und Schamlippen zu ihrer Bezeichnung gekommen sind. Wenn Sie sich in der Sendung beteiligen möchten: Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 - kostenfrei aus ganz Österreich - oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at.

Service

Laura Wiesböck: In besserer Gesellschaft. Der selbstgerechte Blick auf die Anderen. Wien: Kremayr & Scheriau, 2. Auflage 2018.

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: Chilly Gonzales
Titel: Shameless Eyes
Ausführender/Ausführende: Chilly Gonzales feat. Feist
Länge: 03:04 min
Label: Kitty-Yo

Urheber/Urheberin: Jess Godwin
Titel: Jess Godwin
Ausführender/Ausführende: Shame
Länge: 03:25 min
Label: Manus

Urheber/Urheberin: Stevie Wonder, Syreeta Wright, Lee Garrett
Titel: It's a Shame
Ausführender/Ausführende: The Detroit Spinners
Länge: 03:03 min
Label: ITwinBirdz

Urheber/Urheberin: Jaguar James
Titel: Jaguar James
Ausführender/Ausführende: Shame
Länge: 03:50 min
Label: Manus

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