Theodor W. Adorno

AP/PETER HILLEBRECHT

Wolfgang Müller-Funk über Theodor W. Adorno

"Ästhet der Unruhe" - Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno wirft der Wiener Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk Licht auf einige Brennpunkte von Adornos Denken. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Theodor Wiesengrund Adorno, 1903 in Frankfurt/Main in eine bürgerlich-jüdische Familie hineingeboren und 1969, am Höhepunkt der Studentenbewegung verstorben, gehört fraglos zu den bestimmenden Denkern des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus auch der Gegenwart.

Dialektik der Aufklärung heißt das wohl bekannteste Buch, das er zusammen mit seinem älteren philosophischen Weggefährten Max Horkheimer noch im amerikanischen Exil verfasst hat. Es ist ein kräftiges, schonungsloses und in diesem Sinn radikales Buch, in dem sich die folgenden Sätze finden: Seit je hat Aufklärung … das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herrn einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils. Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt. Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.

Dialektik bedeutet hier einen jähen katastrophalen Umschlag, der bereits in der Struktur der Aufklärung als eines radikalen Herrschaftsprojektes - so die These der beiden Begründer der Frankfurter Schule - angelegt war. Historischer Hintergrund dieses kritischen Befundes sind Faschismus, Nationalsozialismus und auch Stalinismus. Auch die ökologischen Fragen unserer Zeit, die ja auch Fragen nach unserer Lebens- und Produktionsweise sind, lassen die Diagnose aktuell erscheinen, wonach Fortschritt und Aufklärung selbst einen Mythos darstellen, in dessen Zentrum die Beherrschung von Mensch und Natur steht.

Adorno, der Philosoph der falschen Welt, hinterlässt ein breit gefächertes Werk: Essays, Aphorismen, Vorlesungstexte und umfassende Studien über Musik, Literatur, Gesellschafts- und Kulturkritik sowie über die Frage nach dem angemessenen Leben in einer von Ausbeutung, Macht und Entfremdung bestimmten Welt. Ungeachtet seines unübersehbaren Pessimismus enthält das Werk die positive Botschaft einer zweiten Aufklärung in sich, einer Aufklärung über sich selbst.

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Erik Satie/1866 - 1925
Titel: Sechs Gnossiennes für Klavier
* Nr.1 (00:03:22)
Solist/Solistin: Anne Queffelec /Klavier
Länge: 03:22 min
Label: Virgin 259404231

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