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mit Chris Tina Tengel.
"Österreichs Generalmusikdirektor": Karl Böhm (zur 125. Wiederkehr des Geburtstags).

Warntafeln werden montiert, die Biografie des ehemaligen "österreichischen Generalmusikdirektors" ist kompromittiert. Gilt die Warnung auch bereits für die vielen Tondokumente unter der Leitung von Karl Böhm? Das Gegenteil ist der Fall. Speziell im diskophilen englischsprachigen Raum werden diverse klingende Böhm-"Wiederentdeckungen" ohne Harm und Häme in Empfang genommen, stets mit Staunen darüber, dass dieser scheinbar so uncharismatische Mann am Dirigentenpult bis ins höchste Alter für eine Mischung aus Werkeinsicht, Energie und Luzidität sorgte, bei der das Wort "beispielhaft" in der Luft liegt.

Am ehesten mag Karl Böhms (damals besonders gefeierte!) Mozart-Exegese verblasst sein, "seinem" Richard Strauss hingegen war er der idealst mögliche Kapellmeister, "sein" Wagner war aufs Höchste "modern", dabei von emotionalem Tiefgang. Nicht weggepackt, sondern immer wieder hervorgeholt gehören die herausragendsten Dokumente von Karl Böhms Wirken, für eine Gegenprobe: Knicken wir womöglich schon ein vor der "Interpretitis"? "Können" wir noch mit einem Dirigenten, der nicht sich, sondern die Musik in Szene setzte?

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