Rot-Kreuz-Konvoi im Zweiten Weltkrieg

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Gerald Schöpfer über humanitäre Hilfe

"Helfen in Krieg und Frieden". Anlässlich des Ö1 Schwerpunktes "80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs" nimmt der Historiker und Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes Gerald Schöpfer in seinen "Gedanken für den Tag" jene Menschen in den Blick, die bisweilen sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um Kranken und Verwundeten zu helfen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Wenn zum Beispiel Politiker lieber Waffen für einen Bürgerkrieg kaufen, anstatt sich um die Probleme ihrer Bürger zu kümmern: Unterstützt die humanitäre Hilfe sie dann nicht geradezu? Und zwar, indem sie das tut, was eigentlich der Staat tun sollte, wenn sie den Menschen Essen gibt, ihren Durst stillt und medizinische Versorgung organisiert.

Die Geschichte der humanitären Hilfe im Krieg ist eine Geschichte der Dilemmata. Das Rote Kreuz vertrat früher die strikte Auffassung nur darüber zu sprechen, was seine Delegierten tun, nicht darüber, was sie sehen. Würden Menschenrechtsverletzungen öffentlich angeprangert, hätte das die Ausweisung der Helfer zur Folge.

Das öffentliche Eintreten gegen Ungerechtigkeit, wäre demnach gleichbedeutend mit der Entscheidung, seine Koffer zu packen. Der Rot Kreuz-Arzt Bernard Kouchner - später französischer Außenminister - sah das anders. Er wollte Missstände benennen und dadurch ändern - auf die Gefahr hin, den Zugang zu Menschen in Not zu verlieren. Das tat er auch und gemeinsam mit anderen gründete er die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Aber wer hat nun Recht? Ärzte ohne Grenzen oder das Rote Kreuz? Anprangern und gehen oder schweigen und weiterarbeiten? Beides legitime Zugänge.

Ein anders Beispiel ist die humanitäre Hilfe nach dem Genozid in Ruanda 1994. Binnen weniger Wochen wurden bis zu 800.000 Menschen, die meisten Angehörige der Volksgruppe der Tutsis, ermordet. Die Täter waren radikale Angehörige der Volksgruppe der Hutus. Nachdem die Hutu-Machthaber militärisch vertrieben wurden, flohen Tausende Hutus aus Angst vor Rache ins benachbarte Zaire, heute die Demokratische Republik Kongo, wo sie in Flüchtlingslagern versorgt wurden.

Unter den Flüchtlingen waren zahlreiche Täter, Kämpfer, Milizionäre, Mörder, die sich in den Camps erholten und danach weiterkämpften. Hat die Hilfe also den Konflikt verlängert? Wenn ja, was wäre die Alternative? Tausende Menschen sterben zu lassen, darunter Kinder, weil unmoralische Menschen humanitäre Hilfe missbrauchen?

Der Mensch bleibt ein Mensch, egal was er tut. Das Rote Kreuz hilft auch jenen, die Schlimmes getan haben - ohne Wenn und Aber. Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen. Anderen menschlich zu begegnen und ihnen zu helfen, ist nicht immer leicht - aber wir sollten es versuchen. Alles andere ist - für humanitäre Helfer zumindest - keine Option.

Service

Österreichisches Rotes Kreuz

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Traditional
Gesamttitel: RESISTANCE RADIO: THE MAN IN THE HIGH CASTLE ALBUM
Titel: Sometimes I feel like a motherless child
Solist/Solistin: Michael Kiwanuka /Gesang m.Begl.
Länge: 03:33 min
Label: Sony 88644632292 (30th Century

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