Elena Holzhausen

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Elena Holzhausen über Denkmalpflege

"Kaleidoskop des menschlichen Seins". Wie durch ein Kaleidoskop schaut Elena Holzhausen, Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien, durch die einzelnen Projekte der Denkmalpflege hindurch auf grundlegende Fragen zwischen Zeit und Ewigkeit. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Auf unseren Baustellen reißen wir ein, erneuern, tauschen Materialien aus oder erhalten Altes. Um in meinem Erinnerungsauftrag zukunftsorientiert arbeiten zu können, habe ich begonnen, über das Vergessen nachzudenken.

Die Sprengung des antiken Palmyra hat weltweit die Menschen entsetzt. Denn ein Ort des Staunens und der gemeinsamen Vergangenheit wurde so zerstört, dass er in Vergessenheit geraten kann. Selber vergessen oder andere vergessen machen ist Macht, denn ich kann Denken und Emotionen leiten. Vergessen ist aber auch ein Schutz gegen Reizüberflutung. Wenn ich alle Gegenstände in einer Pfarre aufhebe, die sich angesammelt haben, dann wird es zu voll. Oft höre ich: Hier kann ich nicht atmen, es ist doch alles verstaubt.

Es ist nicht sinnvoll, alles zu behalten oder alles wegzuwerfen. Es muss entstaubt werden, real aber auch gedanklich und dann geht es um die Auswahl. In gleicher Weise arbeitet unser Gehirn. Das was ich vergesse, hat entscheidenden Einfluss auf das, an das ich mich und auch andere erinnern kann. Die Knappheit des Speicherplatzes in unserem Kopf macht die Qualität unserer Erinnerung aus. Anders als eine Festplatte ist unser Gedächtnis vom Vergessen grundiert. Vergessen als Ermöglichung von Zukunft ist positiv und wichtig. Vergessen als Waffe kann jedoch sehr destruktiv sein und die Menschen im Denken und Handeln einschränken.

Unser Gehirn ist spannend, denn durch bestimmte Erinnerungen werden andere als quasi Gegenerinnerungen verdrängt, oder oft sogar explizit ausgeschlossen. Damit kann das gesteuerte Erinnern formgebend werden, bestimmend für die Erinnerungsfähigkeit nachfolgender Generationen. Deshalb ist eine reflektierte und sensible Erinnerungskultur wichtig für das Denken zukünftiger Generationen. Die Gedenkstätten der Shoa machen das deutlich. In der bewussten Erinnerung liegt die Kraft, Zukunft zu formen, aber auch die Qualität meines Denkens und Handelns.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: John Dowland/1563 - 1626
Bearbeiter/Bearbeiterin: Sting
Bearbeiter/Bearbeiterin: Edin Karamazov /Arrangement
Album: STING - SONGS FROM THE LABYRINTH / STING SINGT LIEDER VON J.DOWLAND
Titel: In darkness let me dwell - aus "A Musicall Banquet, 1610, Nr.10"
Textanfang: In darkness let me dwell, the ground shall sorrow be
Untertitel: LIEDER UND BRIEFE VON JOHN DOWLAND - INTERPRETIERT VON STING
Solist/Solistin: Sting /Gesang
Solist/Solistin: Edin Karamazov /Laute & Erzlaute
Länge: 04:06 min
Label: DG 1703139

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