Hemma Opis-Pieber über Umweltschutz

"Schöpfungszeit". Hemma Opis-Pieber, Umweltbeauftragte der römisch-katholischen Diözese Graz-Seckau, zum Thema "Schöpfungsverantwortung" - dem religiösen Ausdruck für Umweltschutz. - Gestaltung: Judith Fürst

Vor kurzem hat mir meine älteste Tochter per WhatsApp eine Nachricht geschickt, in der australische Wissenschaftler das Ende der uns vertrauten Zivilisation für die Mitte dieses Jahrhunderts prognostizieren! Und zwar aufgrund der unseligen Kombination von rasantem Bevölkerungswachstum und Erderwärmung. Mitte des Jahrhunderts lebe ich vielleicht gerade noch, meine Tochter aber ist dann erst 50+. Wie kann ich sie trösten? Was kann ich, was können wir tun?

Lange Zeit ist das Thema "Schöpfungsverantwortung" - der religiöse Ausdruck für Umweltschutz - kirchlich wenig beachtet worden. (Eigentlich spreche ich lieber von einer Haltung als von einem "Thema"…) Lange Zeit also war Schöpfungsverantwortung deutlich nachgereiht. Auf den ersten Blick war Umweltschutz zu wenig fromm, zu wenig kirchliches "Kerngeschäft". Den zweiten, tieferen Blick haben oft nur besonders sensible, vorausschauende und zu echter Empathie fähige Menschen gewagt.

Aber zumindest das ist seit Papst Franziskus und seiner programmatischen Schrift, der Umweltenzyklika LAUDATO SI', anders. Schöpfungsverantwortung ist in der "Herzmitte des christlichen Glaubens" angekommen, wie der Moraltheologe Michael Rosenberger formuliert hat.

Bereits 1989 hat der griechisch-orthodoxe Patriarch Dimitrios I. alle christlichen Kirchen aufgerufen, den 1. September als einen "Tag der Bewahrung der natürlichen Umwelt" zu begehen, Zitat: "Gott an diesem Tag für die Schöpfung zu danken und um ihren Schutz und ihr Heil zu bitten". Diese Einladung wurde in den folgenden Jahrzehnten weltweit aufgegriffen.

Nachdem für die Pfarren am 1. September zumeist noch Ferien sind, wurde der Schöpfungstag auf eine Schöpfungszeit ausgeweitet. Sie endet sehr stimmig am 4. Oktober, dem Gedenktag des Hl. Franziskus, dem Patron aller Umweltschützerinnen und -schützer.
Die Schöpfungszeit sehe ich als eine Chance, sich der weltweiten Zusammenhänge und Probleme bewusst zu werden, die durch unser Konsumieren, unsere Mobilität, unseren ganzen Lebensstil entstehen. Aber auch die tiefe spirituelle Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung, die von Hildegard von Bingen so schön beschrieben und von Franz von Assisi besungen wurde, kann damit wieder in die Wahrnehmung vieler Menschen rücken.

Was bedeutet das konkret? Angehörige verschiedener Konfessionen beginnen die Schöpfungszeit bei den spirituellen Wurzeln, in der Tiefe - z. B. durch Gottesdienste. Dazu gibt es in vielen Pfarren Österreichs Veranstaltungen zur Schöpfungszeit, von der Schienenwallfahrt, Vorträgen und Kabaretts bis zu Upcycling-Workshops nach dem Motto "aus alt mach neu".

Eines meiner aktuellen Lieblingsprojekte ist die Initiative "religions for future". Menschen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften haben sich zusammengeschlossen, um sich mit den Anliegen der Kinder und Jugendlichen von "fridays for future" zu solidarisieren. Für sie zu beten, sie aber auch durch den eigenen Lebensstil und gesellschaftspolitisches Handeln zu unterstützen. Für mich ist das "missing link" nicht jenes zwischen Affe und Mensch, sondern jenes zwischen Wissen und Handeln...

Übrigens: Ich habe meiner eingangs erwähnten Tochter als Trost und Ermutigung einen kurzen (den abschließenden) Abschnitt aus LAUDATO SI' geschickt, den ich auch Ihnen weitergeben möchte. Darin schreibt Papst Franziskus: "Gott (…) schenkt uns die Kräfte und das Licht, die wir benötigen, um voranzugehen. Im Herzen dieser Welt ist der Herr des Lebens, der uns so sehr liebt, weiter gegenwärtig. Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich endgültig mit unserer Erde verbunden, und seine Liebe führt uns dazu, immer neue Wege zu finden."

Diese Worte, vor allem aber die vielen Initiativen in und um die Schöpfungszeit, ermutigen auch mich in meinen Bemühungen um eine gute Zukunft für Alle.

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