Gras und Schmetterling, aufgeklebt neben Beton

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Radiokolleg

Radiokolleg - Gefühle

Erkennen, bewegen, regulieren (1). Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek

Sie sind scheinbar launisch, flatterhaft und schwer zu begreifen. Und sie melden sich immer dann zu Wort, wenn weder Zeit noch Raum für sie da sind. Gefühle begleiten unser Leben. Manchmal schwingen sie uns ein wie eine harmonische Grundmelodie. Aber sie können auch stören, schrill und dissonant klingen. Wenn uns bewusst wird, dass sie unser Denken und Handeln bestimmen, versuchen wir sie zu kontrollieren. Gelingt das nicht, ignorieren wir sie. Wir schieben sie weg und sind erstaunt, wenn unser Körper von unerklärlichen Beschwerden geplagt wird. Denn Gefühle drücken sich im Körper aus. Zorn steigert die Muskelspannung, das Gesicht rötet sich, die Hände schwitzen. Freude lässt das Herz schneller schlagen und die Pupillen weiten. Unbewusst lesen wir die Empfindungen eines anderen und stimmen unser Verhalten darauf ein. Und jede neue Erfahrung wird als körperliches Ereignis in unserem Gehirn abgespeichert. Gefühle sind Kommunikatoren. Sie sprechen den anderen unmittelbar an, indem sie die Spiegelneuronen des Empfängers aktivieren. So werden vergleichbare Empfindung beim Gegenüber ausgelöst. Menschen trachten danach, ihre Gefühle in Balance zu halten. Diese Fähigkeit entwickeln sie in den ersten Lebensmonaten. Doch manchmal treten schwierige Lebensereignisse auf, die Menschen aus dem Gleichgewicht bringen. Angstzustände oder Depressionen können die Folgen sein. Um diese bedrohlichen Gefühle zu regulieren, wählen Menschen unterschiedliche Strategien. Doch in jedem Gefühl steckt eine Botschaft. Diese zu erkunden hilft, unliebsame Gefühle zu verstehen. Lernen wir, auf unseren Gefühlen zu surfen, dann schenken sie uns Sternstunden mit anderen.

Service

LITERATUR:

Joachim Bauer, "Wie wir werden, wer wir sind. Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz". Karl Blessing Verlag 2019

Karl Heinz Brisch, "Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie." Klett-Cotta 2019

Carl Ginsburg, "Lernen durch Bewegung. Eine andere Sicht auf die Verbindung von Körper und Geist nach Moshé Feldenkrais." Hogrefe 2016

Laurence Heller, Aline LaPierre, "Entwicklungstrauma heilen. Alte Überlebensstrategien lösen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken - Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM" Kösel 2013

Otto F. Kernberg, "Liebesbeziehungen. Normalität und Pathologie." Klett-Cotta 2018

Margit Koemeda, "Tanzen vor Freude, zittern vor Wut. Sich von Gefühlen bewegen lassen." Beltz Verlag 2019

Monika Smetana, "Wiener Beiträge zur Musiktherapie. Stille - Sterben - erwachen. Musiktherapie im Grenzbereich menschlicher Existenz." Praesens Verlag 2005

Svenja Taubner, Peter Fonagy, Anthony W. Bateman, "Mentalisierungsbasierte Therapie." Hogrefe 2019


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