Ein Verkaufsschild vor einem fast fertiggestellten Haus in Tschechien

AFP/MICHAL CIZEK

Ein Land in der Falle - Der Kampf der Tschechen gegen die Überschuldung

Der Umgang mit den Schuldnerinnen und Schuldnern ist zu einem der drängendsten innenpolitischen Probleme für die Regierung in Prag geworden
Gestaltung: Kilian Kirchgeßner

Die Lage ist ernst: In einem Land mit 10,5 Millionen Einwohnern stehen 4,5 Millionen Zwangsvollstreckungen an. Unzählige tschechische Haushalte sind gleich mehrfach betroffen; in manchen Regionen liegt der Anteil der Überschuldeten bei rund 20 Prozent der Bevölkerung. Vieles sind Schulden, die schon Jahrzehnte alt sind: Weil es in Tschechien kein Gesetz gegen Wucher gab, wurde früher aus einer vergessenen Stromrechnung mit Anwaltskosten, Mahngebühren, Zinsen und Strafzahlungen schnell ein existenzgefährdender Schuldenberg.
Wie man damit umgehen soll, darüber gibt es auch eine ideologische Diskussion: "Eine Gefahr für die Demokratie" nennen es einige Beobachter, weil reihenweise Tschechen keine Aussicht haben, jemals aus der Situation zu entkommen. Andere finden, eine großzügigere Regelung der Privatinsolvenz sei ungerecht gegenüber den Gläubigern.
Tatsächlich ändert sich die Gesetzgebung erst jetzt allmählich: Das neue Privatinsolvenzrecht ist nach Expertenmeinung zwar ein Fortschritt, stellt aber immer noch wesentlich höhere Anforderungen an die Schuldner und Schuldnerinnen als in anderen EU-Ländern.

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