Ein Mann stellt Leinwände mit Euro-Sternen auf

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Ö1 Science Arena: Böser Osten - guter Westen?

Die Europa-Debatte. Ulrike Guérot vs. Oliver Jens Schmitt
Gestaltung: Martin Haidinger

Sind die Staaten des ehemaligen Ostblocks unverbesserliche nationalistische Bremser im europäischen Einigungsprozess? Soll die EU Länder wie Ungarn, Polen, Tschechien, die Slowakei und Rumänien als schwer erziehbare Mitglieder einstufen, die man in Angelegenheiten wie der Migrationskrise in ein "westliches" Wertesystem einweisen muss? Oder sind es ganz im Gegenteil gerade die "Visegrad"-Staaten, die den eigentlichen Spirit von "good old Europe" repräsentieren? Und wie ist es in Westeuropa mit den europäischen Werten bestellt? Wo ist Österreich in diesem Gegensatz zu verorten? Gibt es eine Chance auf eine Korrektur des gravierendsten Ost-West-Gefälles seit dem Ende des Kalten Kriegs?

Eine Politikwissenschaftlerin und ein Historiker suchen im Zwiegespräch Antworten aus Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft:

Ulrike Guérot, Professorin und Leiterin des Departments für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems: "Die Osteuropäer sind nicht die Bösen: Wir verdanken ihren Bürgerrechtsbewegungen und de facto den Fall der Mauer. Der heutige osteuropäische Populismus (bzw. die teilweise korrupten Regime) haben viel mit sozioökonomischen Bedingungen zu tun, für die der Europäische Westen zumindest teilweise insofern verantwortlich zeichnet, als dass er die Osteuropäer wie Europäer zweiter Klasse behandelt und z.B. nicht wie versprochen in den Euro aufgenommen hat."

Oliver Jens Schmitt, Professor und Vorstand des Instituts für osteuropäische Geschichte und Präsident der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: "Die Osteuropäer sind politische Subjekte. Die Veränderungen der letzten 30 Jahre waren massiv. Sie haben aber Europa als Ganzes verändert. Dazu gehört auch, dass die neuen Mitgliedstaaten im Osten eigenständige und oftmals eigenwillige Akteure innerhalb der EU geworden sind. Die alten Mitgliedstaaten tun sich schwer, ihren paternalistischen Blick aufzugeben und mit dieser neuen Realität politisch und analytisch umzugehen".

Die packendsten Momente der Ö1-Science Arena vom 8.10.2019 im Wiener Ringturm.

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