Zwei Turteltauben sitzen zusammen auf einem Ast

APA/BIRDLIFE/RALF THIERFELDER/NABU

Ein gefährdeter Langstreckenflieger

Der Ornithologe Michael Dvorak über die Turteltaube
Teil 5: Verlust von Lebensraum
Gestaltung: Nikolaus Scholz

Die Turteltaube ist die einzige Langstreckenzieherin unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie ist recht scheu und zu ihren bevorzugten Lebensräumen gehören Gebüsche, Feldgehölze, Waldränder oder auch lichte Wälder. Nicht selten werden auch größere Gärten, Obstplantagen oder Parkanlagen besiedelt. Die Nester werden vor allem auf Bäumen und Sträuchern gebaut, in Ausnahmefällen auch am Boden oder auf Felsen. Ihre Nahrung sucht sie fast immer am Boden, auch gern in Gruppen mit anderen Tauben. Im Brutgebiet frisst sie Samen von diversen Kräutern, Blumen und Gräsern, gern auch Fichten- und Kiefernsamen am Boden.

Einst wurden Turteltauben wegen ihres schönen Gefieders gehalten. Noch heute kennen wir den Begriff "Turteltäubchen" als Kosewort für Verliebte. Während die Turteltaube Anfang des 20. Jahrhunderts noch Bestandszuwächse verzeichnete und sich sogar weiter ausbreitete, ging diese Wildtaubenart seit den 1980er Jahren in Großbritannien und Frankreich um mehr als 50 Prozent zurück, in Deutschland in diesem Ausmaß seit zwanzig Jahren. Die Turteltaube ist heute eine der am stärksten von Bestandsrückgängen betroffenen Vogelarten Europas, übersprang 2015 auch auf der weltweiten Roten Liste die Vorwarnstufe und landete direkt in der Kategorie "gefährdet". Gründe dafür sind vor allem die intensive Landwirtschaft, aber auch die Jagd auf die Turteltaube im Mittelmeerraum.

BirdLife Österreich kürt in Kooperation mit seinem deutschen Partner NABU und seinem bayerischen Partner LBV die Turteltaube zum "Vogel des Jahres 2020".

Service

GESPRÄCHSPARTNER:

Dr. Michael Dvorak
BirdLife Österreich
Fachbereich Naturschutz

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