Michael Schottenberg

APA/ROLAND SCHLAGER

Michael Schottenberg über das Leben

"Innehalten". Michael Schottenberg, Schauspieler, Regisseur und Autor, macht sich Gedanken über das Reisen, das Theater, das Schreiben, die Leidenschaft und das Fremde. Gestaltung: Alexandra Mantler

Im Reiche der Wirklichkeit ist man nie so glücklich wie im Reiche der Fantasie. Theater ist eine institutionalisierte Utopie. Ein eigener Kosmos. Ein Leben im Leben. Theater besitzt die Macht, Bilder, Mythen, Träume und Traumata, Gefühle und Gedanken freizusetzen. Was aber hat es mit dieser Macht auf sich? Das bisschen Licht, Schminke, Schweiß? Ein buntes Kleid, ein schwarzer Hut, eine hastige Bewegung, die Heiterkeit erzielt? Ein Regen aus Rosenblättern?

Das Machtvolle am Theater ist die Verbindung von Publikum und Bühne im Zauber des Augenblicks. Die Begegnung mit ‚Anderswelt' ist eine Reise in eine neue Wirklichkeit. Ein Theaterabend bedeutet: Da sein, sich einlassen, spielen, den Moment annehmen und die Zeit loslassen. Die Vergeblichkeit menschlichen Handelns vor Augen, sei es als Komödie oder als Tragödie.

Mich hat die Frage "Wie wirklich ist die Wirklichkeit am Theater" immer beschäftigt. Die Bühne ist ein unverwechselbares Territorium der Täuschung, der Illusion. Ein Ort, der von der Vorspiegelung falscher Tatsachen lebt. Die Basis ist das Wort, die Wahrheit. Das Mittel die Fantasie, der Idealwert. Mit Hilfe der Fiktion einer kunstvoll erschaffenen Scheinwelt werden im Zuschauer echte Gefühle provoziert, die ihn auf sein eigenes Sein zurückwerfen und Momente der Nachdenklichkeit erzeugen.

"Theater ist meiner Überzeugung nach nicht Wirklichkeit, sondern ein Spiel mit der Wirklichkeit, deren Verwandlung auf der Bühne stattfindet. Ich glaube, dass Wirklichkeit an sich nie erkennbar ist, sondern nur deren Metamorphose", sagt Friedrich Dürrenmatt.
Ich habe mein bisheriges Leben zurückgelassen. Nun wende ich mich um und blicke mit einem lachenden Auge zurück (das andere halte ich vorsorglich geschlossen). Ich lasse es gut sein. Es ist ja gut.

Service

Michael Schottenberg, "Von der Bühne in die Welt. Unterwegs in Vietnam", Verlag Amalthea
Michael Schottenberg, "Von neuen Welten und Abenteuern. Unterwegs in Burma", Verlag Amalthea
Michael Schottenberg, "Von Träumen und Schiffen. Unterwegs auf dem Frachtschiff Ms Karina", Verlag Amalthea

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Nino Rota
Bearbeiter/Bearbeiterin: William Ross /Arrangement
Album: THE FELLINI ALBUM - THE FILM MUSIC OF NINO ROTA
Titel: Amarcord / Melodie aus dem gleichnamigen Film / arrangiert von William Ross
* Lo struscio
Leitung: Riccardo Chailly
Orchester: Filarmonica della Scala
Länge: 04:20 min
Label: Decca 4832869

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