Frederico Fellini steht vor einem Portrait seiner Frau

AP/CLAUS HAMPE

Christian Rathner über Federico Fellini

"Gaukler und Fantast". Christian Rathner, Filmexperte und Filmemacher, macht sich Gedanken zu Federico Fellini, anlässlich dessen 100. Geburtstags. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Hier kommt der große Zampanó. Trommeln muss Gelsomina, die Frau, die er eben für zehntausend Lire gekauft hat. Trommeln und sagen: Hier kommt der große Zampanó. Wenn sie es falsch macht, wird sie geschlagen, damit sie es lernt. Zampano in Federico Fellinis Film "La Strada" oder "Das Lied der Straße" hat einem gewissen Männertyp den Namen gegeben. Er lässt nicht mit sich spaßen.

Anthony Quinn spielt ihn überzeugend, den Mann, der nicht aus sich herauskann. Mürrisch, verschlossen, jähzornig. Nur im Suff und mit einer Frau im Arm kann er ein wenig loslassen. Mit einem kleinen Wohnwagen zieht er durch die Lande und führt immer dasselbe Kunststück vor: Er legt sich eine Eisenkette um die Brust, erzählt, wie gefährlich das alles sei, holt tief Luft, und sprengt die Kette. Aber nur die äußere Fessel fällt. Seine Seele bleibt eingesperrt. Zampanó ist einsam, wie man einsamer nicht sein kann.

Fellinis Ehefrau, Giulietta Masina, spielt die Gelsomina, eine kleine Frau, ein kindliches Gemüt. Was sie fühlt, ist sofort auf ihrem Gesicht zu sehen. Auf ihrem Gesicht, das rund und hell ist wie der Mond. Sie ist ein Clown, eine kindliche Seele, die Unschuld selbst. Ohne Zögern und ohne Gepäck steigt sie zu Zampanó in den Wagen, nachdem ihre Mutter sie verkauft hat. Sie genießt das Abenteuer, will bei ihm sein und bleiben. Alle außer Zampanó freuen sich über dieses freundliche Wesen.

Es sind beeindruckend karge Gegenden, durch die die beiden fahren. Einmal hält Gelsomina Zampanós Grobheit nicht mehr aus. Sie läuft davon und lernt Matto kennen, einen Seiltänzer, der sich um sie bemüht und ihr beibringt, auf der Trompete eine kleine Melodie zu spielen. Damit macht er sich Zampanó zum Feind. Bei einem Kampf der beiden fällt Matto unglücklich und stirbt. Auch Gelsomina fällt ins Bodenlose, in eine stumme Apathie. Ihre Welt ist zerstört. Zampanó lässt sie mit ihrer Trompete zurück. Jahre später trifft er eine Frau, die ihre Melodie summt. Sie hat Gelsomina gepflegt, bis zum Tod. Am Ende sitzt der große Zampanó am Strand und blickt in den Sternenhimmel. Er beginnt zu weinen, er betrauert Gelsominas Tod. Etwas kommt in Bewegung. Es ist eine kleine Erlösung.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Nino Rota/1911 - 1979
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Michele Galdieri/1902 - 1965
Album: FELLINI'S MOVIE SONGS BY KATYNA RANIERI
Titel: Gelsomina / Chanson zum Film "La Strada"
Solist/Solistin: Katyna Ranieri /Gesang
Leitung: Riz Ortolani
Orchester: Unbekannt
Länge: 03:30 min
Label: Milan/BMG 73138356382

weiteren Inhalt einblenden