Mann trägt Maske in Venedig

APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

Luise Müller über den Fasching

"Von Narren und Weisen". Die evangelische Theologin Luise Müller lüftet in ihren "Gedanken für den Tag" so manche Maske.

Ich habe lange Zeit ein wenig abfällig auf den katholischen Brauch des Fastens geschaut. Was sollte dieser verordnete Verzicht, die geplante Enthaltsamkeit nach der vorangegangenen verordneten und geplanten Ausgelassenheit? Wo war das selbstbestimmte Leben? Mein Credo war die trotzige Eigenverantwortlichkeit gegen die traditionellen Vorgaben, das Spontane gegen die alten Riten.

Ein wenig verächtlich schaute ich auf scheinbar skurrile Einschränkungen: kein Fleisch am Freitag, kein Alkohol während der Wochen vor Ostern, was sollte uns solches Verhalten dem Leiden Jesu näherbringen?

Wenn ich heute drüber nachdenke, was mich so evangelisch hochnäsig gemacht hat, dann war es wahrscheinlich nicht nur die unliebsame weil verordnete Einschränkung, sondern die oft unglaubhafte Rolle des Büßers. Die gleichen Leute, deren Gewissen im Fasching scheinbar gerade noch auf Urlaub gewesen war, zogen diese Rolle über wie ein neues Kleid. Weg mit dem Kostüm des Faschingsnarren - hinein in das härene Hemd des Asketen. Einfach nur eine neue Maske? Wir sind zurück am Boden der nackten Tatsachen, die Probleme, die die pubertierenden Kinder machen, sind nach wie vor ungelöst, die Missstimmung im Büro ist nicht einfach über Nacht verschwunden.

Was also tun? Fasten oder die Passion Jesu bedenken: Heute sehe ich das Verbindende. Indem ich den äußeren Überfluss beschränke, bewusst auf manches verzichte und anderes loslasse, fällt es mir leichter, die Ruhe und Konzentration zu erreichen, die mich hineinführt ins Herz des Christentums gleich welcher Konfession. Und solcherart zu mir und zu Gott gekommen kann es schon sein, dass sich Werte verschieben, feste Ansichten aufweichen, neue Perspektiven auftun.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Franz Liszt/1811 - 1886
Titel: Rigoletto - Konzertparaphrase Fantasie für Klavier über das Quartett aus "Rigoletto" von Giuseppe Verdi, 3.Akt
Klavierfantasie
Solist/Solistin: Matthias Soucek ///Klavier
Länge: 07:56 min
Label: ORF Casinos Austria Classic LI

weiteren Inhalt einblenden