Elfriede Jelinek

APA/ROLAND SCHLAGER

Musikalische Durchquerung eines Jelinek-Textes

Theater im Hörspiel
Über Tiere" von Elfriede Jelinek. Mit Sylvie Rohrer. Am Piano: Kurt Böhm, Annalisa Derossi, Hannes Drobetz, Ulrike Fendel, Elisabeth Gerstenecker, Barbara Greiner, Stephanie Hacker, Isabella Hahn, Stefan Kallin, Kyrre Kvam, Wolfgang Tockner und Ekaterina Wladigerova. Ton: Fridolin Stolz und Anton Reininger. Musik und Regie: Ruedi Häusermann (Burgtheater/ORF 2009)

Wenn Elfriede Jelinek, die Literaturnobelpreisträgerin, über das Verhältnis von Mann und Frau spricht, kommt sie im Regelfall ohne Umschweife zur Sache. In ihrem 2007 im Kasino des Wiener Burgtheaters uraufgeführten Stück "Über Tiere" lässt sie keinen Zweifel daran, wer die Täter und wer die Opfer sind. Elfriede Jelinek verwendet darin unter anderem polizeilich aufgezeichnete Verkaufsgespräche einer noblen Wiener Escort-Agentur, die junge, zum Teil noch minderjährige Mädchen aus Osteuropa an betuchte Kunden vermittelte.

Der Schweizer Theatermann, Musiker und Klangkünstler Ruedi Häusermann hat Jelineks Text eine eigene, zart verwehte Klangwelt entgegengesetzt. Zwölf klagende Klaviere umkreisen den Text, Metronome ticken, die zwölf Pianisten singen, summen und erzeugen einen Sehnsuchtsraum, der Jelineks Text gleichzeitig widerspricht und umfängt. Eine "musikalische Durchquerung" nennt Ruedi Häusermann seine Inszenierung. Gemeinsam mit dem Wiener Burgtheater hat Ö1 eine 90-minütige Radioversion dieses wundersamen Theaterabends hergestellt. Die Schweizer Schauspielerin Sylvie Rohrer wurde - unter anderem dafür - 2007 als beste Schauspielerin mit einem "Nestroy" ausgezeichnet.

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