Keramik-Modellbuch

ORF/JAKOB FESSLER

Pastellfarben fürs Wirtschaftswunder

Das Objekt der Begierde
Ein Sommer voller Museen in Österreich 1

Wilhelmsburger Geschirr-Museum

Ein dickes Buch mit schwarzem Umschlag und vergilbten, linierten Blättern zeugt von der Geschichte der Wilhelmsburger Steingut- und Porzellanfabrik. Als Registerbuch angelegt finden sich alphabetisch sortiert hunderte Handskizzen von Kannen, Tellern, Tassen, aber auch zahlreichen anderen Porzellanprodukten. Die Skizzensammlung reicht von A, dem Aschenbechermodell "Hotel Imperial", bis zu Z, der Zuckerdose "Monica".

Ab dem Jahr 1948 arbeitete der aus Böhmen stammende Meister und Modelleur Josef Dolezal für die Steingut- und Porzellanfabrik in der niederösterreichischen Kleinstadt Wilhelmsburg. Bis in die 1960er-Jahre diente ihm das Buch für Skizzen von Produktmodellen. Mit den Produkten der Marke "Lilien-Porzellan", benannt nach dem nahegelegenen Stift Lilienfeld, erlebte die Fabrik in den 1950er-Jahren ihre Hochblüte; heute sind die pastellfarbenen Tassen, Teller und Kannen begehrte Sammler-Objekte.

1997 wurde die Produktion in Wilhelmsburg eingestellt. Das 2007 eröffnete Geschirr-Museum gibt - zum Beispiel in einer Modellstube oder im Schaudepot im ehemaligen Magazinlager - Einblicke in die einstigen Produktionsbedingungen. Der ehemalige Schlosser der Steingut- und Porzellanfabrik, Manfred Schönleitner, leitet das Museum.

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Wilhelmsburger Geschirr-Museum
Färbergasse 11, 3150 Wilhelmsburg

Objekt: Modellbuch für Produktionsskizzen, in Verwendung von ca. 1948 bis in die 1960er-Jahre

Service

Wilhelmsburger Geschirr-Museum

Anhand von jeweils einem besonderen Objekt aus der Sammlung werden in dieser Sendereihe ausgewählte Museen auf Ö1 vorgestellt. Die insgesamt fünfzig Beiträge ergeben bis Ende September 2020 ein sommerliches Puzzle der Kultur-, Natur- und Kunstgeschichten Österreichs.

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Sendereihe

Gestaltung

  • Jakob Fessler