Rillen einer Schallplatte

APA/AFP/JEAN-PIERRE CLATOT

"Ich denke immer an euch ..."

Feldpostbriefe auf Schallplatte
Von Isabelle Engels

Soldaten im Kriegseinsatz schrieben während der Monate oder Jahre des Getrenntseins zahlreiche Briefe nachhause, die sogenannten Feldpostbriefe. Wesentlich seltener bot sich die Gelegenheit, Berichte und Grüße auf Schallplatte zu übermitteln. Nur die Propagandakompanien der deutschen Wehrmacht waren mit entsprechender Aufnahmetechnik ausgerüstet, und das Deutsche Rote Kreuz bot verwundeten Soldaten im Lazarett an, ihre Grüße sowie ein Musikstück aufzunehmen und in die Heimat zu senden.

Je nach Aufnahmesituation sind die Inhalte mehr oder weniger propagandistisch gefärbt, doch durch die Stimme vermitteln sich Emotionen und Stimmungslagen der Soldaten. In großen Städten boten private Tonstudios diese Dienstleistung an, so konnte auch die Zivilbevölkerung Grüße zu Weihnachten oder zum Geburtstag auf Schallplatte aufnehmen. Diese Schallplatten, "Selbstschnittfolien" genannt, waren filigrane Unikate, von denen nur wenige erhalten sind. Bislang als zeithistorische Quelle wenig beachtet hat die Österreichische Mediathek ihren Archivbestand aus privaten Familiennachlässen und einem Wiener Tonstudio digitalisiert und für die Forschung zugänglich gemacht.

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