Mit James Joyce und Giacomo Leopardi auf dem Mond

"Brief an eine Kapitänin". Von Hans-Peter Meißnitzer. Es liest: Michael Dangl. Redaktion: Edith-Ulla Gasser

Meißnitzers "Brief an eine Kapitänin" markiert den Beginn eines weitverzweigten Schreibprojekts, angelegt auf 12 Prosabände. Die sogenannte Wirklichkeit ist in diesem psychoanalytisch grundierten Teufelsritt stets eine vielschichtige, Namen und Begriffe sind darin Spielbälle des Autors in seinem Schweifgebiet. "Neopolis" steht für Neapel, "Jadran" für die Adria, und "oskisch" meint "Italienisch". Jeder, der am Mond arbeiten muss, wird "Affe" genannt, "Pan" ist das Äquivalent zum "Tag", und bei der "sogenannten Eisenbahn" könnte es sich in "Neopel" um eine Standseilbahn handeln, die einen Mondkrater erklimmt.
Der männliche Reisende, ausgerüstet mit Fantasie-Titel und Fantasie-Identität, trumpft in seinen Berichten mit immer neuen Erlebnissen und immer schrägeren Beobachtungen auf. Seine Briefsprache ist ein einziger parodierender, zitierender und ideenstolpernder Versuch, die ferne "Kapitänin" zu beeindruckenden. Die Reise dieses gebildeten und kenntnisreichen Briefschreibers kann mit Fug und Recht "Odyssee" genannt werden - und sei es auch nur eine Odyssee durch die eigene gedankenflüchtige Eitelkeit.

Service

Hans-Peter Meißnitzer, "Brief an eine Kapitänin", Manuskript, 2020

Sendereihe

Gestaltung

  • Edith-Ulla Gasser

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