Eginald Schlattner

SCHOLZ

Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren

Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren

"Nur die blinde Stille, die tut weh". Der Gefängnispfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner. Feature von Nikolaus Scholz.

Eginald Schlattner, am 13. September 1933 am Rande des Banates in Arad geboren, studiert nach seinem Abitur evangelische Theologie, Mathematik und Hydrologie in Cluj, wo der Siebenbürger Sachse auch einen deutschsprachigen Literaturkreis mit über 100 Mitgliedern initiiert und für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften schreibt. Im Dezember 1957 wird der 24-jährige Student von der Securitate - dem rumänischen Geheimdienst - verhaftet, muss für zwei Jahre in einer 7m² kleinen lichtlosen Zelle ausharren - nur unterbrochen von obsessiven Tag- und Nachtverhören - und wird 1959 wegen "Nichtanzeige von Hochverrat" verurteilt.

Nach seiner Entlassung arbeitete er als Tagelöhner und später als Ingenieur. 1973 nimmt Schlattner noch einmal das theologische Studium auf, und bekommt fünf Jahre später eine Stelle als evangelischer Pfarrer in Rothberg zugewiesen. "Mehr als ein Jahr wirst du es dort nicht aushalten!" wird ihm prophezeit, "Die Roma stehlen dir die Haare vom Kopf, die Rumänen sind Chauvinisten und schlagen dir die Fensterscheiben ein, die Sachsen sind in zwei Parteien gespalten!" Die Prophezeiung irrte. Noch immer ist der heute 86-jährige Eginald Schlattner als Pfarrer in Rothberg tätig, seit 2007 völlig allein, liebevoll umsorgt von einem Romamädchen, das sich einst als 17-Jährige aus der Lehmhütte am Bach auf den Pfarrhof gerettet hat, spitalsreif geschlagen vom Bruder.

Auch wenn Eginald Schlattner in den vergangenen drei Jahrzehnten drei Romane geschrieben hat, die in mehreren Sprachen übersetzt worden sind und einer davon verfilmt wurde, sieht er sich in seinem Selbstverständnis nicht als Schriftsteller, sondern als erstes und letztes als Pfarrer: "Meiner Seele Seligkeit hängt nicht von den Büchern ab. Jedoch die literarische Produktion gehört zur Biografie."
Redaktion: Alfred Koch

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