Zugang zu "La Grotte de Glace", Chamonix

APA/AFP/PHILIPPE DESMAZES

Höhlen als Klimaarchive

Der Geologe Christoph Spötl erforscht Höhlenablagerungen, die wichtige Teil 4: Probensuche in alpinen Tropfsteinhöhlen
Gestaltung: Thomas Thaler

Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde klar, dass es im Alpenraum im Verlauf der Erdgeschichte zu großen Veränderungen gekommen ist. Irgendwann in grauer Vorzeit musste es gewaltige Gletscher gegeben haben. Lange Zeit war es nicht möglich zu sagen, wie lange diese "Eiszeiten" zurückliegen. Mit den gängigen Methoden der Geologie, die sich vor allem auf das Vorkommen bestimmter Fossilien in unterschiedlichen Schichten stützten, ließen sich nur relative Zeitbezüge herstellen.
Für die Eiszeiten gab es um 1900 erste Hinweise aus astronomischen Berechnungen, die Veränderungen in der Sonneneinstrahlung darstellten. Doch erst nach dem 2. Weltkrieg, als es mit Hilfe physikalischer Methoden gelang, Proben auf ihren Gehalt an Radioisotopen zu untersuchen, begann man die Erdgeschichte mit absoluten Daten zu versehen.

Die Methoden wurden immer weiter verfeinert. Für die jüngsten Zeitabschnitte gibt es inzwischen eine große Anzahl von Möglichkeiten, um Proben mit zunehmender Präzision zu datieren. Für die Klimageschichte der Erde gelten die Eisproben aus Grönland und der Antarktis als die wichtigsten Archive.

Am Institut für Geologie der Universität Innsbruck werden seit 20 Jahren Tropfsteine und Höhlensinter untersucht. Manche Höhlen bieten über Jahrtausende konstante Bedingungen, und die Kalkablagerungen, die dort über lange Zeiträume entstehen, bilden ein wertvolles, gut geschütztes Archiv. Die Beschäftigung mit diesem Archiv hat inzwischen reichlich Früchte getragen. So lässt sich das Alter der Proben für die Periode vor 12.000 Jahren, als die letzte Eiszeit zu Ende ging, inzwischen mit einer Genauigkeit von 20 bis 40 Jahren bestimmen.
Das erlaubt einen genauen Blick auf jenen Zeitabschnitt, in dem sich das Klima auf der Erde das letzte Mal dramatisch verändert hat. Die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, helfen vielleicht dabei, die aktuelle Entwicklung des globalen Klimas besser zu verstehen.


Service

Univ.-Prof. Dr. Christoph Spötl
Universität Innsbruck
Institut für Geologie

Internationales Jahr der Höhlen und des Karstes


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