Ein verschwommener Wald

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Praxis - Religion und Gesellschaft

Sterbehilfe

"Die Würde am Ende". In dieser Spezialausgabe von "Praxis - Religion und Gesellschaft" kommen zwei Menschen mit ihrer individuellen Sicht auf das Thema Sterbehilfe ausführlich zu Wort

Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat Anfang Dezember 2020 auf Antrag mehrerer Betroffener jene Bestimmung aufgehoben, die die Hilfeleistung zum Suizid unter Strafe stellt. Die bisher geltende Regelung verstoße gegen das Recht auf Selbstbestimmung. Im Zuge dieser Entscheidung ist die Diskussion um das Thema Sterbehilfe wieder aufgeflammt. Wie mit Sterben und Tod umgegangen wird, ist einerseits ein gesellschaftspolitisches Thema, zu dem sich zahlreiche Gruppen und Interessensvertretungen zu Wort melden, andererseits ist der eigene Tod für jeden Menschen aber auch ein zutiefst persönliches Thema. Darum kommen in dieser Spezialausgabe von "Praxis - Religion und Gesellschaft" zwei Menschen mit ihrer individuellen Sicht auf das Thema ausführlich zu Wort.

Als die Kulturmanagerin Linda Kada-Thiery mit 68 Jahren im Zuge einer unheilbaren Krankheit mit immer mehr körperlichen Beeinträchtigungen konfrontiert war, hat sie beschlossen, den Zeitpunkt ihres Todes selbst zu bestimmen. Sie hat am 18. Dezember 2020 in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch genommen. Drei Tage vor ihrem Tod hat Linda Kada-Thiery ihrer langjährigen Freundin, der früheren ORF-Kulturjournalistin Eva Maria Klinger für die "Praxis" noch ein letztes Radio-Interview gegeben. Darin führt sie aus, warum sie sich entschlossen hat, ihr Leben zu beenden, das in ihren Augen keine Qualität und keine Würde mehr zu bieten hatte, und wie sie sich auf diesen Schritt vorbereitet hat.

Die Kulturmanagerin hat einen Weg gewählt, den sich der Arzt Karl Harnoncourt für sich nicht vorstellen könnte. Er ist der jüngere Bruder des Dirigenten Nikolaus und des Theologen Philipp Harnoncourt, beide sind ja mittlerweile verstorben. Als Universitätsprofessor hat Karl Harnoncourt jahrzehntelang die Abteilung für Innere Medizin am Landeskrankenhaus Graz geleitet und der mittlerweile 86-Jährige gilt als einer der Pioniere der Hospiz- und Palliativarbeit in Österreich, insbesondere in seiner steirischen Heimat. Maria Harmer hat Karl Harnoncourt - unter Einhaltung aller Corona-Sicherheitsauflagen - in seinem Haus am Grundlsee besucht. Mit Martin Luther stellt er fest: "Wenn ich auch wüsste, dass ich morgen sterben würde, würde ich noch heute einen Baum pflanzen." Denn seine Lebenserfahrung bestehe darin, stellt Harnoncourt in diesem Gespräch fest, dass sein Leben "nicht so erbärmlich werden könnte, dass meine Lebenswürde und meine Lebensfreude und mein Lebenswert dadurch verloren geht".


Service

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https://goeg.at/Gesundheit Österreich GmbH
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