Eine digitale Karte von John Palmesino and Ann-Sofi Rönnskog.

ARS ELECTRONICA

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Ein neuer Deal für die Digitalwelt

Die Ars Electronica 2021

Das Internet sei durch die Kommerzialisierung zu einer grotesken Kopie einstiger Visionen verkommen, so der künstlerische Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker. "Egal, ob wir über die Trolle in den sozialen Medien reden, oder die ,digital Landlords', die glauben, nur weil wir ihre Server nutzen, haben sie ein Recht darauf, unsere digitalen Körper - wie in den Zeiten der Leibeigenschaft - zu besitzen." Deswegen möchte die diesjährige Ars Electronica die Fundamente der digitalen Welt neu denken unter dem Motto "A new digital deal".

Dem Motto entsprechend bewegt sich die Ars Electronica in einem spielerischen - und Wortspielerischen - Komplex, der sich auch der Ökologie und der Verknüpfung von Technik und Klimawandel widmet. Ulla Ebner, Sarah Kriesche, Irmi Wutscher und Franz Zeller haben in Linz Erde gegessen, einen Roboter-Hund gestreichelt, ihre Hirnströme vermessen und sich von einer künstlichen Intelligenz die Hand lesen lassen.

Utopie und Dystopie eines Roboterhunds
Spielerisch wirkt es für Besucherinnen und Besucher, wenn sie in "Kepler Gardens", dem Campus der JKU, einem Roboter-Hund begegnen, der mit seinem Besitzer, Daniel Höller vom open Innovation Centre der JKU, spazieren geht. "Spot", so der Name, ist eine Entwicklung des US-Unternehmens "Boston Dynamics". In Videos, die das Unternehmen veröffentlicht hat, zieht "Spot" den Schlitten des Weihnachtsmanns oder tanzt zu Musik. Andere Videos, etwa beim Einsatz mit der Polizei von New York, zeigen die dystopischen Seiten des autonomen Roboters, der nicht nur Türen aufbrechen, sondern auch rund 14 Kilo Gewicht tragen kann. Auf der Ars Electronica soll er zum Diskurs anregen, sich mit den Utopien und Dystopien auseinanderzusetzen.

Die Zerbrechlichkeit der Erde
Einen Diskurs der anderen Art stößt "Museum of edible earth", das Museum der essbaren Erde von Masharu an. Besucherinnen und Besucher können hier Erdproben, die auf der ganzen Welt gesammelt wurden, verkosten. Egal ob aus Chile, Paraguay oder Mühlviertel, jede Erdprobe bringt ihre eigene Geschichte mit und lädt das Publikum ein, sich mit - oft subjektiven Vorstellungen - von Erdnähe, Erdbeziehung und "Mutter Erde" auseinanderzusetzen.

Momentaufnahmen im Live-Stream
Auch dieses Jahr findet die Ars Electronica als Hybrid-Veranstaltung statt. Ein Live-Stream begleitet durch die Events. Der "Digital Deal" in diesem Fall ist, dass keine Möglichkeit der Nach-Betrachtung geschaffen wurde. Im Sinne einer Live-Veranstaltung lädt der Stream dazu ein, am Moment teilzuhaben und Erinnerungen im Gedächtnis abzuspeichern. Die erzeugten Videodaten werden nicht archiviert und verlieren sich im Moment - und den unendlichen Weiten des Cyberspace.

Redaktion: Franz Zeller und Ulla Ebner
Moderation: Ulla Ebner

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