Balkonpflanzen vor einer alten Holzhäuserfront mit Fensterläden

APA/BARBARA GINDL

Ö1 Kunstsonntag: Neue Texte

Zwei Fensterläden, die der Sturm peitscht

"Studentenleben". Von Simon Konttas. Es liest: Silvia Meisterle. Redaktion: Edith-Ulla Gasser.

"Buchhaltung" nennt der Wiener Autor Simon Konttas ein Heft, in dem er Alltagsbeobachtungen notiert. Häufig sind es kleine Charakterskizzen, Beschreibungen von Menschen, die ihm begegnen. Der ausgebildete Religionspädagoge war als Bibliothekar und Lehrer tätig. Später sattelte er auf den Beruf des Gefängnisseelsorgers um, den er seit einiger Zeit in Wien ausübt.

Genaues Zuhören und Hinschauen ist Simon Konttas auch beim Schreiben wichtig . Doch sind seine Figuren fiktiv, und auch als erfundene Charaktere sollen sie nicht bloßgestellt, sondern in ihrem Wesen erkannt werden. In der Erzählung "Studentenleben" spricht eine junge Frau mehr zu sich selbst als zu uns oder zu jemand anderem. In einsamen gedanklichen Suchbewegungen umkreist sie die möglichen Gründe dafür, dass sie unglücklich ist. Dabei beschreibt sie ihre Mutter und sich selbst als "zwei Menschen, die in ihrem Elend so wenig verbunden sind wie zwei sturmgepeitschte Fensterläden".

Simon Konttas wurde 1984 in Helsinki geboren. Er kam schon als Kind nach Baden; der Sohn eines Finnen und einer Serbin lebt heute als Autor und evangelischer Seelsorger in Wien. Seine Romane, Erzählsammlungen und Lyrikbände sind unter anderem in der Edition Sonnberg und im Sisyphus Verlag erschienen, zuletzt in der "Edition Kärnöl" die Gedichte "Unter den Birken vielleicht".

Service

Simon Konttas, "Studentenleben", Manuskript, 2021

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