ensemble XX. jahrhundert

BEN FODOR

Zeit-Ton

Neues für das exxj bei Wien Modern

Lyrik inspiriert Instrumentalmusik: Novitäten von Johannes M. Staud und Tanja E. Glinsner mit dem ensemble xx. jahrhundert unter Peter Burwik

Das ensemble xx. jahrhundert ist in diesem Jahr fünfzig geworden, und Wien Modern 2021 feiert mit: Der jubilierende Klangkörper setzt also unter Leitung seines Gründers Peter Burwik auch im Rahmen der 34. Ausgabe des Festivals seine Pflege der klassischen Moderne ebenso fort wie seine Rolle als Geburtshelfer, Vorkämpfer und Wegbegleiter der Musik der Gegenwart. Deshalb melden sich Burwik und das exxj am 15. November 2021 aus dem Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses mit Werken aus drei österreichischen Musikgenerationen zu Wort. Wobei diese Phrase keineswegs zu Unrecht gewählt ist, speisen sich doch die beiden Uraufführungsstücke des Abends jenseits des reinen Klangs aus der Sprache, soll heißen: aus konkreter Lyrik.

Die Jüngste im schöpferischen Bunde ist dabei die 1995 in Linz geborene und bereits vielfach ausgezeichnete Komponistin, Dirigentin, Geigerin und Sängerin Tanja Elisa Glinsner: "Läuft mein Hirn so viele leere Kreise" für Ensemble basiert auf dem Gedicht "Angst" (1923) von Ingeborg Lacour-Torrup und behandelt Wege (und Irrwege) der widerstreitenden oder zusammenwirkenden Prozesse von Denken und Fühlen. Johannes Maria Staud hingegen, Jahrgang 1974 und bereits einer der international bekanntesten Komponisten seiner Altersgruppe, richtet in seinem neuen Werk den Blick nicht nach innen, sondern nach außen, ins Politische: Er hat sich für "Listen, Revolution (We're buddies, see -)" vom Gedicht "Good Morning, Revolution" (1932) aus der Feder von Langston Hughes inspirieren lassen, einem bedeutenden Vertreter der afroamerikanischen Kunstbewegung Harlem Renaissance.

Dass Staud mit seiner Partitur "der klanglichen Raffinesse, Durchsichtigkeit und Kompaktheit des ensemble xx. jahrhundert und ihres charismatischen Gründers und Leiters Peter Burwik und des Ensemble Modern und seinen wunderbaren Mitgliedern" Rechnung tragen wollte und sie dem exxj zum Fünfziger und dem Ensemble Modern zum (2020 gefeierten) Vierziger "in Freundschaft gewidmet" hat, bildet eine Brücke zurück zum dritten Programmpunkt, zu Alban Berg und seinem ausgetüftelt-virtuosen Kammerkonzert für Klavier und Geige mit 13 Bläsern von 1924, das Arnold Schönberg zum 50. Geburtstag zugeeignet ist.

Mit Bojidara Kouzmanova (Violine), Le Liu (Klavier) und dem ensemble xx. jahrhundert. Dirigent: Peter Burwik. Ein Ö1 Mitschnitt vom 15. November 2021.

Gestaltung: Walter Weidringer

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