Wiener Hofburg

APA/GEORG HOCHMUTH

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Um Präsident, Prozent und Protest

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher


Wenn die Aufregung um die Termin-Verkäufe der Wien Energie mehr Einfluss auf das Ergebnis haben könnte als Programme und Auftreten der Kandidaten, dann ist das die Bundespräsidenten-Wahl 2022. Dass Alexander Van der Bellen seine Wiederwahl schaffen wird, daran besteht kein Zweifel - die Frage ist nur, ob es gleich im ersten Anlauf gelingt. Gerade deshalb wächst sich die Hofburg-Entscheidung aber zu einer veritablen Protestwahl aus. Vor allem das rechte Lager hat sich breit aufgestellt, gleich drei Kandidaten treten neben dem FPÖ-Mann Walter Rosenkranz an. Und in Dominik Wlazny haben mit dem Amtsinhaber unzufriedene Linke ihren Favoriten gefunden. Die Social-Media-Kanäle spielen in den Kampagnen eine zentrale Rolle.


Der vielsagende Schweigepräsident

Es war eine Präsidentschaft, geprägt von zahlreichen Krisen. In unzähligen Live-Pressekonferenzen wandte sich Alexander Van der Bellen aus der Hofburg an die Öffentlichkeit und versuchte, sich als der Hüter der Stabilität zu präsentieren. "So sind wir nicht" - ein legendärer Sager nach der Ibiza-Affäre. Der bleibt, aber ist das alles? Welche Akzente hat Van der Bellen gesetzt? "Er war ein einseitiger Schweigepräsident", sagt der FPÖ-nahe Politikberater Heimo Lepuschitz, und auch die Politikwissenschafterin Katrin Praprotnik spricht von einem "eher zurückhaltenden" Präsidenten. Im Rennen um die zweite Amtszeit müsse Van der Bellen jetzt auch kommunikativ einen Gang höher schalten - kritische Interviews, die in den vergangenen Jahren selten waren, inklusive.


Wenig Elefant auf der Showbühne

Bevor jetzt im September der intensive Wahlkampf startet, haben die Kandidaten auf ihren Kanälen im Netz schon Positionen bezogen. Von YouTube bis Instagram, auf Facebook und Twitter wird längst um Stimmen geworben. Immer wichtiger wird TikTok, der amtierende Bundespräsident hat dort sogar sein Wiederantreten angekündigt. Der mit der FPÖ nicht handelseins gewordene Kandidat Tassilo Wallentin hat seinen Einstand mit einem Inserat in der "Kronen Zeitung" gegeben, das Frank Stronach bezahlt und viele Fragen aufgeworfen hat. Dominik Wlazny hat die notwendigen Unterstützungserklärungen als Erster abgegeben, gesammelt hat er auch mit Unterstützung bezahlter Profis. Und alle Kandidaten möchten natürlich mit Alexander Van der Bellen im Fernsehen diskutieren und streiten. Der weigert sich aber, die Showbühne zu betreten. Es könnte ein Fleckerlteppich an TV-Duellen kommen.


Umfragen wieder zu stark gewürzt?

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken als Seismograph für die Stimmung im Land wird oft überschätzt. Besser sollten da schon die Umfragen liegen, und jetzt im Bundespräsidenten-Wahlkampf schlägt in den Medien wieder die Stunde der Meinungsforscher. Die bisher veröffentlichten Umfragen zeigen ein konträres Bild. Während eine Umfrage mit großem Sample dem Amtsinhaber Alexander Van der Bellen eine satte absolute Mehrheit schon im ersten Wahlgang voraussagt, sprechen andere Meinungsforscher von einer Zitterpartie. Für den Boulevard ist das Spekulieren mit einer Stichwahl spannend. Da kommt aber auch die Erinnerung an Umfragen im Bundespräsidenten-Wahlkampf 2016 hoch, die weit danebengelegen sind - und natürlich der Beinschab-Skandal. Sabine Beinschab hat für Umfragen im Wahlkampf seinerzeit eine gewisse "Würze" mit Unterhaltungswert gefordert. Haben Meinungsforscher und Medien ihre Lektionen gelernt?

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