Herbert Blomstedt

MARTIN UK LENGEMANN

Matinee - Teil 2

Herbert Blomstedt zu Gast bei den Wiener Philharmonikern

Wiener Philharmoniker, Dirigent: Herbert Blomstedt.
Carl Nielsen: Symphonie Nr. 5 op. 50 (Übertragung aus dem Großen Musikvereinssaal in Wien in 5.1 Surround Sound)

Nielsens 5. Symphonie

Die 5. Symphonie von Carl Nielsen war bereits für das Philharmonische Konzert am 4. Oktober 2020 geplant gewesen. Aufgrund von COVID-Maßnahmen entschlossen sich das Orchester und Herbert Blomstedt das Programm zu ändern. "Ein andermal", versprach der damals 93-jährige Dirigent. Heute kann er das Versprechen, diese Symphonie "endlich mit den Philharmonikern" zu spielen, einlösen. Blomstedt, 2011 im Alter von 84 als Einspringer für einen Jüngeren der bislang älteste Dirigentendebütant der Wiener Philharmoniker, ist seit 2019 Ehrendirigent des Orchesters.

1931, kurz vor seinem Ableben, schrieb Nielsen, dass er Programm-Musik nicht mochte. Erklärungen und Hinweise darauf, was Musik aussagt, lenkten vom Hören ab. Ob der Erste Weltkrieg seine Musik beeinflusst habe? Nach einer ausweichenden Antwort: "Eines ist sicher: Keiner von uns ist der, welcher er vor dem Krieg war." Der 1. Satz hatte ursprünglich den Titel "Vegetatio" getragen. Wachstum kann in Wucherung, Bewahrung in Trägheit, notwendige Erneuerung in Gewalt und Zerstörung kippen. "Letztlich kann nur Musik", so Nielsen, den Konflikt "der trägen bzw. zerstörerischen Kräfte mit aktiven, kreativen und lebensbejahenden unmittelbar erfahrbar machen."

Am 24. Jänner 1922 fand in Kopenhagen die erfolgreiche Uraufführung statt. 1924 kam es in Stockholm zu Tumulten. Die Trommel, so die Anweisung, soll spielen, als wolle sie "um jeden Preis den Erfolg des Orchesters aufhalten." Ein improvisierter, unerbittliche Trommelrhythmus droht den anschwellenden Hymnus, auch die selbstgenügsame Kuhstallwärme der Musik, zu (zer-)stören. Am Ende des Satzes setzt die Soloklarinette zu einer bewegenden Kadenz an, die das dominierende Motiv umspielt, haucht ihr Leben aus - bedrohlich von außerhalb des Saals begleitet von der Trommel.

Schwierig, so Blomstedt, sei der 2. Satz "als Klimax zu gestalten, die letzten paar Minuten. Die zwei Fugen sind großartig: eine schnelle Fuge beginnt sehr schlicht, sehr skurril, sehr leise, Streicher mit Dämpfern, endet in größter Aufwühlung. Noch schöner ist die zweite Fuge: dieselbe Melodie wie am Anfang, aber langsamer, wunderbar! Typisch Nielsen, weite Intervalle, der Kontrast zwischen Terzen und Quarten ergibt eine enorme emotionale Spannung, aber der Schluss: Es-Dur, heller Himmel - schwer zu gestalten. Insgesamt ist die Gefühlslage der Symphonie recht eindeutig und eine reiche emotionale Erfahrung."

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, via Internet-Streaming auf Ihem HbbTV-Gerät oder durch Direktaufruf der Streaming-URLs.

Mehr dazu in oe1.ORF.at - 5.1

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: CARL NIELSEN/1865-1931
Titel: Symphonie Nr.5 op.50

* Tempo giusto - Adagio non troppo - 1.Satz
* Allegro - Presto - Andante un poco tranquillo - Allegro - 2.Satz
Orchester: Wiener Philharmoniker
Leitung: Herbert Blomstedt
Länge: 36:00 min

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