Zerknüllte Tageszeitungen und Geldscheine

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

doublecheck - das Ö1 Medienmagazin

Risse in der Boulevard-Macht

Nach dem "Beinschab-Österreich-Tool", das die Rolle der Verleger-Brüder Fellner und ihre Abmachungen mit Vertretern der Kurz-ÖVP sichtbar gemacht hat, rollt die Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft jetzt die entsprechenden Verbindungen des Verleger-Ehepaars Dichand auf. Mit "Österreich", "Heute" und "Kronen Zeitung" sind jetzt alle Boulevard-Blätter, die die Republik seit Jahrzehnten im Griff haben, im Visier der WKStA. Wird sich an der Praxis der Inseratenvergabe durch die öffentliche Hand etwas ändern? Und: brechen die Risse in der zementierten Macht des Zeitungsboulevards jetzt auf?

Hausdurchsuchungen bei der Geschäftsführung der Gratiszeitung "Heute", aber auch beim weithin unbekannten Reisemagazin "Connoisseur Circle" - es richtet sich an Luxusreisende und spielt im Gesamtzusammenhang eine größere Rolle, als man glauben möchte - haben die Innenpolitik wieder einmal erschüttert. Polizisten, IT-Fachleute und Staatsanwälte suchten nach weiteren Belegen für Absprachen zwischen der "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand und dem Umfeld von Sebastian Kurz mit dem Ziel: Inseratengeld und andere Vorteile gegen positive Berichterstattung. Das ist der schwere Vorwurf, der nach den Fellners jetzt auch auf den Dichands lastet. Die Nerven bei Eva Dichand liegen blank, auch andere Drähte ihres Hauses in die Politik rücken wieder ins Blickfeld. #doublecheck hat mit "Heute"-Chefredakteur Christian Nusser über den journalistischen Super-GAU gesprochen.

Medienpaket: Zu spät und zu wenig?

Am Tag, als die Razzia beim Gratisblatt stattfand, brachten die Regierungsparteien im Nationalrat das Medienpaket ein. Und zwar in Form von Initiativanträgen, denn jetzt soll es schnell gehen mit dem Aus für die tägliche Druckausgabe der "Wiener Zeitung", trotz massiver Proteste auch von Prominenten und vieler Einwände im Begutachtungsverfahren. Daniela Kraus vom Presseclub Concordia ordnet die Gesetzesanträge für #doublecheck ein, die auch Verbesserungen bei der Medientransparenz und eine neue Journalismus-Förderung - erstmals auch für Online-Medien - mit Ansätzen von Qualitätskriterien bringen. Inhaltliche Änderungen sind im parlamentarischen Ablauf nicht mehr zu erwarten. Für die vom Ex-Politiker Peter Pilz gegründete Online-Plattform "ZackZack" könnte eine allfällige Förderung aus dem neuen Topf zu spät kommen - dem Medium geht das Geld aus. Deadline ist Anfang Juni.

Kommunikationsstrategien: Neu und wirr

Während es die Medienbranche durchbeutelt, stellen die politischen Parteien ihre kommunikativen Strategien deutlich erkennbar um. Nach den Landtagswahlen, die für SPÖ und ÖVP nichts Gutes und für die Freiheitlichen Rückenwind gebracht haben, ist vor der Nationalratswahl. Regulär im Herbst 2024 bauen die Strategen schon einmal vor. #doublecheck fragt Kommunikations-Profis, ob die FPÖ in der derzeitigen Situation nichts falsch machen kann, ob die ÖVP mit ihrer aktuellen Positionierung schon als rechtspopulistisch bezeichnet werden darf, ob die Grünen mit ihrer neuen Kampagne wirklich das "Klimaglück" finden werden. Und ob hinter den roten Chaostagen und dem verhaltensauffälligen Social-Media-Team der SPÖ vielleicht sogar so was wie ein Konzept steht. Ein Alleinstellungsmerkmal ist es jedenfalls, nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, kommuniziert es sich völlig ungeniert.

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

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