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Radiokolleg Spezial
Wie Österreich neu formiert wurde (3)
Nationbuilding durch Kultur
24. April 2025, 09:05
In der dritten Folge geht es um die kulturellen Versatzstücke, aus denen die neue österreichische Identität zusammengefügt wurde. Wie wurde das neue Selbstbild inszeniert, welche Filme und Sportidole tragen dazu bei? Welche Rolle spielt das kulturelle Erbe, der Habsburg-Mythos und die US-Populärkultur und wie forcieren Medien die Umerziehung und den Prozess des Nationbuildings?
Influencer in Uniform: Wie die US-Populärkultur nach Ö kam
"Ich bin im ersten Stock unseres Hauses am Fenster gestanden und habe einem GI, der aus dem Panzer geschaut hat, die Hand gegeben. Der erste Schwarze in meinem Leben!" Die Brüder Günter und Reinhold Wagnleitner, aufgewachsen im Innviertel, sind bestes Beispiel dafür, wie viel Einfluss gelungener Kulturtransfer nehmen kann. Günter wurde Jazzpianist, sein jüngerer Bruder Reinhold als Universitätsprofessor Experte für die "Coca-Colanization", die Kulturmission der USA in Österreich.
Gestaltung: Ute Maurnböck
1955 verändert Österreich!
Nicht nur Julius Raab auf einem Balkon drückt dem Jahr seinen Stempel auf, sondern auch die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper und eine junge Romy Schneider auf den Kinoleinwänden. Das Radiokolleg-Medley entführt auf eine klangvolle Reise in eine Zeit des Aufbruchs, der Kultur und der großen Emotionen.
Gestaltung: Jakob Steiner, Kathrin Schedler
Inszenierung einer Nation
1945 steht Österreich vor der Frage nach der Identität des neuen Staates. Die Antworten sollen Medien, Sport und Kultur liefern. Rückgriffe auf die Monarchie oder Heimatfilme wie "Mariandl" (1961), beschwören ein Österreichidyll fernab der Politik. Zahlreiche Musik- und Sportidole werden Vorbild des neuen nationalen Selbstbewusstseins. Für die notwendige kritische Reflexion sorgt das von Karl Farkas oder Georg Kreisler kultivierte jüdische Kabarett. Mosaiksteine wie diese wirken bis heute in die Selbstdarstellung Österreichs ein.
Gestaltung: Barbara Volfing
Die Rolle der Medien
Die Aufteilung Österreichs in vier Besatzungszonen nach Kriegsende bringt auch eine Dezentralisierung der Medienlandschaft mit sich. Das Ziel speziell der Westalliierten ist es, durch die Kontrolle von Presse, Rundfunk und der Wochenschau eine Demokratisierung und gleichzeitig Entnazifizierung im Land voranzutreiben. Nach der Wiedererlangung der Souveränität im Jahr 1955 spielen die Medien eine große Rolle bei der Ausformung einer eigenständigen österreichischen Identität.
Gestaltung: Michael Liensberger
Re-Education und die Kulturoffensive
Die Westalliierten und hier vor allem die USA waren besonders erfolgreich in ihren Bemühungen um die Umerziehung der Österreicher. In Camp Richie wurden Künstler und Intellektuelle wie Georg Kreisler und Marcel Prawy ausgebildet, um in Österreich kulturell zu wirken, und mit den internationalen Hochschulwochen des Österreichischen College in Alpbach wurden bedeutende Denker zumindest zeitweilig am geistigen Wiederaufbau beteiligt.
Gestaltung: Martin Haidinger