Addis Abeba

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Diagonal

Diagonal Stadtporträt Addis Abeba - Afrikas Drehscheibe

Addis Abeba ist zweifellos das politische und wirtschaftliche Zentrum Äthiopiens. Immer stärker entwickelt sich die ausufernde Metropole mit einer offiziellen Einwohnerzahl von 4 Millionen auch zu einem Kraftpunkt des ganzen Kontinents.

Addis Abeba, "die neue Blume" nannten sie ihre Gründer in den 1870er Jahren. Dass sich die Stadt in nur eineinhalb Jahrhunderten zu einem wichtigen Hub des Kontinents entwickeln würde, erahnte man noch nicht. In Addis Abeba befindet sich heute der Sitz der Afrikanischen Union, AU. Nicht nur das Gebäude der Union ist hochmodern. Auch sonst wächst in der Stadt vieles in den Himmel.

Eigentlich hatte Addis bäuerliche Wurzeln. Daran erinnern heute auch die Wochenmärkte, vor allem der gigantisch große Mercato. Hier zeigt sich der Unternehmergeist der Stadt und des ganzen Landes. Er ist einer der größten offenen Marktplätze Afrikas, das wirtschaftliche Herz der Metropole. Eine halbe Million Menschen besucht ihn täglich, an die 10.000 Arbeitsplätze dürfte er zählen.

Die skyline von Addis Abeba, die Metro, die breiten Straßen mit viel zu viel Verkehr darauf, werden durch ein schier endloses Immergleiches, einen dörflichen Häuserbrei bis an die Stadtränder konterkariert. Doch der Zuzug von Menschen aus allen Landesteilen, vorwiegend junger, er hört nicht auf. Das alles passiert auf einer Höhe von über 2000 Meter - Addis ist die höchstgelegene Großstadt Afrikas. Und Äthiopien die einzige Nation südlich der Sahara ohne koloniale Vergangenheit. Jedoch, die Italiener haben ihre Spuren hinterlassen. Der Abessinienkrieg vor 90 Jahren war ein völkerrechtswidriger Angriffs- und Eroberungskrieg des faschistischen Königreichs Italien gegen das Kaiserreich Abessinien (Äthiopien) in Ostafrika - ein Eroberungsfeldzug. Eine fünfjährige Besetzung durch Mussolinis Italien folgte. Der District Piazza (oder Piassa) im Zentrum der Stadt erinnert daran.

Addis Abeba ist auch Universitätsstadt, mit hervorragenden Fakultäten, etwa für Architektur. Und das National Museum zeigt mit einem Fokus auf die Wiege der Menschheit einen Überblick der Funde von Frühmenschen. Und schließlich nicht zu vergessen: überall im Stadtbild und in der Geschichte des Landes sind die politischen und religiösen Spuren des letzten Kaisers von Äthiopien zu finden. Der "König der Könige", der "Löwe von Juda", der "Auserwählte Gottes": Haile Selassie. Einerseits spielte er eine Schlüsselrolle in der Modernisierung und Reformierung Äthiopiens. Anderseits warfen ihm Kritiker vor, soziale Ungleichheiten ignoriert und die politische Opposition unterdrückt zu haben. Trotz seines umstrittenen Erbes bleibt er eine zentrale Figur der afrikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Eine Sendung von Ines Mitterer und Peter Waldenberger.

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