Holocaust-Denkmal in Berlin: Denkmal für die ermordeten Juden Europas

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Roma-Denkmal gegen das Schweigen

Gedanken zum Holocaust-Gedenktag von Pia Thomasberger, Vizepräsidentin der HÖR, Rom:nja-Aktivistin, studiert Pflege an der FH Campus Wien

Der Volksgruppe der Rom:nja und Sinti:zze fehlt noch immer ein Holocaust-Denkmal in Österreich. Für unsere Volksgruppe hat ein Denkmal eine besondere, tiefgehende Bedeutung. Es steht für Anerkennung in einer Geschichte, in der ihr Leid über lange Zeit kaum gesehen, oft verschwiegen oder bewusst verdrängt worden ist.

Die Verfolgung, Internierung und Ermordung von Rom:nja und Sinti:zze während der Zeit des Nationalsozialismus war kein Randgeschehen - und doch hat sie jahrzehntelang nur wenig Platz im öffentlichen Erinnern gefunden. Ein Denkmal durchbricht dieses Schweigen. Es macht sichtbar, dass auch Rom:nja und Sinti:zze Opfer von Ausgrenzung, Entrechtung und systemischer Gewalt waren. Für die Volksgruppe bedeutet das: Ihr Leid wird nicht länger relativiert oder übergangen. Es wird benannt. Und es wird anerkannt.

Für Überlebende und ihre Familien ist ein Denkmal oft mehr als ein Ort des Erinnerns. Es ist ein Ort der Würde. Viele Rom:nja und Sinti:zze haben ihre Angehörigen ohne Grab, ohne Abschied, ohne öffentliches Gedenken verloren. Ein Denkmal gibt ihnen einen Raum, an dem Trauer möglich ist - und an dem die Namen und Geschichten der Ermordeten einen Platz bekommen. Gleichzeitig wirkt ein Denkmal auch nach außen. Es richtet sich an die Mehrheitsgesellschaft und stellt eine unbequeme Frage: Warum hat es so lange gedauert, bis dieses Leid anerkannt wurde? Und was sagt das über den Umgang mit Rom:nja und Sinti:zze bis heute aus? Denn Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung sind auch in der Gegenwart Realität.

Ein Denkmal erinnert daran, dass Erinnerung nicht neutral ist. Sie ist eine Entscheidung. Für unsere Volksgruppe bedeutet ein Denkmal daher auch Schutz: Schutz vor dem Vergessen, vor der Leugnung und vor der erneuten Entmenschlichung. Es fordert Respekt ein - nicht nur für die Vergangenheit, sondern für das Leben von Rom:nja und Sinti:zze. Ein Denkmal sagt: Eure Geschichte zählt. Euer Schmerz wird gesehen. Und er verpflichtet uns alle, hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Django Reinhardt 1910 - 1953
Komponist/Komponistin: Stephane Grappelli 1908 - 1997
Album: YOUNG DJANGO
Titel: Tears/instr.
Solist/Solistin: Stephane Grappelli
Solist/Solistin: Philip Catherine
Solist/Solistin: Larry Coryell
Solist/Solistin: Niels Henning Orsted Pedersen
Länge: 06:18 min
Label: MPS 8156722

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