Narendra Modi

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Punkt eins

Fokus auf Indien: Wohin steuert Modi?

Indien nach dem Handelsabkommen mit der EU. Gäste: Ao.Univ.-Prof.(i.R.) Heinz Nissel, Institut für Geografie und Regionalforschung, Universität Wien, Vizepräsident der Österr.-Indischen Gesellschaft & Peter Rosei, Schriftsteller. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Als "Mutter aller Deals" bezeichnete der indische Ministerpräsident Narendra Modi das vergangene Woche zwischen der Europäischen Union und Indien unterzeichnete Handelsabkommen. Knapp 20 Jahre Vorbereitung - und das passende politische Momentum - waren nötig, damit sich die EU und Indien auf die Reduktion von Zöllen für eine ganze Reihe wichtiger Produkte einigen konnten.

Sowohl Indien, das bevölkerungsreichste Land der Erde, als auch die 27 Mitgliedsstaaten der Union sollen davon profitieren; laut einer Analyse der UniCredit Bank Austria könnten in Österreich 5.000 Industriearbeitsplätze entstehen. Nun wird auch noch ein gemeinsames Verteidigungsabkommen auf den Weg gebracht.

Über China und die USA werde dauernd gesprochen, über Indien kaum, findet der Landeskenner Heinz Nissel, der für das "Risikobild 2026" des Bundesministeriums für Landesverteidigung eine Zustandsbeschreibung des Subkontinents - 1, 46 Mrd. Menschen auf einer Fläche 40 mal so groß wie Österreich - beigesteuert hat. "Indische Politikerinnen und Politiker stützten sich im Geiste Gandhis und Nehrus über Jahrzehnte hinweg auf die Prinzipien der Gewaltlosigkeit, der Blockfreiheit und der paktlosen Eigenständigkeit, woher auch der Ruf Indiens als "verhinderte Großmacht" rührte", so Nissel in seinem Bericht: "Seit Jahrzehnten besteht eine Freundschaft zu Russland (bzw. bestand zur Sowjetunion), was sich auch etwa in der Stimmenthaltung bei den Resolutionen zur Ukraine niederschlug. Gegenüber den USA wechselten Bewunderung und Ablehnung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehrmals."

Das umfassende Handelsabkommen mit den Europäern darf nun als Signal der Ablehnung der Trump-Administration gewertet werden. Schließlich verhängte die US-amerikanische Regierung auch gegen Indien Strafzölle in Höhe von 50 Prozent.

Wer ist nun Premierminister Narendra Modi, der seit 2014 das Land mit seiner hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) führt? Heinz Nissel beschreibt ihn als "ökonomischen Modernisierer" und "strenggläubigen Verfechter der Hindutva-Ideologie, der zufolge nur ein Hindu ein "wahrer" Inder sein könne." Für seine Anhängerinnen und Anhänger sei Modi bereits der "Vishwaguru" oder "Weltenlenker".

Der Wiener Schriftsteller und Weltreisende Peter Rosei hält sich gegenwärtig in Indien auf: "Indien als Ganzes gleicht einem der hiesigen Seidenstoffe, deren Muster, Farben und Glanz changieren, je nachdem, wie du sie gegen das Licht hältst", so Rosei in einem Essay in der Tageszeitung "Die Presse": "Gleich zu Beginn fällt der Widerspruch ins Auge zwischen einer Gesellschaft, die etwa ihren Zahlungsverkehr, zumindest in den Städten, so gut wie bargeldlos abwickelt, und den Zuständen, die in vielen Lokalen und Geschäften an den Straßen entlang herrschen: enge, schmierige Gelasse, Geräte, denen man ordnungsgemäßes Funktionieren kaum mehr zutraut, anbrüchige Möblierung - High Tech, vermählt mit dem Charme des Südlichen: Wo ist draußen, wo ist drinnen?"

Alexander Musik diskutiert mit Ao.Univ.-Prof.(i.R.) Heinz Nissel vom Institut für Geografie und Regionalforschung an der Universität Wien und Vizepräsident der Österreichisch-Indischen Gesellschaft und dem Schriftsteller Peter Rosei über ein Land mit einem "ausgeprägten Langzeitgedächtnis" und einem Premierminister, der gern die Parole ausgibt: "Our time has come" - "unsere Zeit ist gekommen".

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Wie stark bestimmt das in der indischen Verfassung seit 1950 offiziell abgeschaffte Kastensystem noch heute die Gesellschaft? Wie resilient und verlässlich ist die "größte Demokratie der Welt"? Was wissen die Inder:innen von Europa? Und was möchten Sie über Indien wissen?

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  • Alexander Musik