Sound Art: Kunst zum Hören

Raumbilder

r a u m t i e f von Johannes S. Sistermanns

"In die Sound-Totale des hellwachen Manhattan hineinhorchen. Mittig in der Wirklichkeit eines anfangslosen Hallraums in Berlin stehen. Den Raumton im schmalen Hohlraum eines Stahlträgers in der unterirdischem New Yorker Metrostation gesungen hören, während die Subway einfährt. Das Raumbild hören von Film-Szenen 'Der dritte Mann' in der Wiener Kanalisation entstehen lassen. Sowie die 437m langen und 20m breiten Resonanzen als Trägermaterial im Hohlraum den Autoverkehr samt Straßenbahnen von einer zur anderen Rheinseite im Hohlraum der Kölner Deutzer Brücke verfolgen.
Räume treffen aufeinander, gegeneinander, schieben sie im inneren Ohr mal drängend mal sich überlappend zueinander. Der Stereo-Hör-Raum selbst wird verstanden als die äußerste Abstraktion einer sonst 360° umläufigen, längst vertrauten Klangwirklichkeit."

Hören bedeutet, den Raum mit den Ohren abzutasten, und das, so der Künstler Johannes S. Sistermanns, sei ein aktives Vorgehen. In den uns umgebenden Räumen gibt es entfernte Klangereignisse, ein diffuses Raunen. Es gibt aber auch ganz nahe Klänge, die einen weiten Raum dahinter haben oder gar brauchen, um deren Hall aufzunehmen und zu unseren Ohren zurückzubringen. "raumtief" nennt er seine radiophone Erkundung von Räumen.

Folgende Orte kommen darin vor:
- Manhattan von der 69. Etage des Rockefeller Center aus gehört
- Oratunga Station im australischen Outback
- Kanalisation am überbauten Wien-Fluss in Wien, mit der Stimme von Sistermanns (Danke an die Mitarbeiter der Dritte-Mann-Tour!)
- Klangraum unterhalb der Deutzer Rheinbrücke in Köln, mit über 400m Länge und 20m Breite
- Hallraum des SIM Studios in Berlin, ebenfalls mit seiner eigenen Stimme
- ein vermutlich kultisch genutzter Fundstein in Lärbro im schwedischen Gotland
- Chorprobe in der Kölner St. Severin Kirche
- Wallfahrtskirche in Neviges im Ruhrgebiet

+++

Im November 2025 war der deutsche Klangkünstler und Komponist Johannes S. Sistermanns auf Einladung der Organisation Tonspur als Artist in Residence im Wiener MuseumsQuartier zu Gast. Für die Tonspur Passage im öffentlichen Raum hat er das zwölfminütige Stück "schweig N" als 8-Kanal-Soundinstallation entwickelt. Ausgangsmaterial waren Klänge aus öffentlichen und politischen Schweigeminuten. In der letzten Ausgabe von "Kunst zum Hören" zu hören ist ein längerer Ausschnitt aus der Stereoversion.

Service

Johannes S. Sistermanns

"schweig N" in der Tonspur_passage

Dritter Mann Tour

Sendereihe

Gestaltung

  • Anna Soucek