LENA GÖBL
Gedanken für den Tag
Vielfalt als Reichtum
Gedanken zum muslimischen Fastenmonat Ramadan von Adis erifovic, Vorsitzender der Muslimischen Jugend Österreichs
26. Februar 2026, 06:57
In einer Zeit wachsender Polarisierung wird oft vergessen: Unterschiede können verbinden, nicht nur trennen. Die Frage ist nicht, ob Vielfalt existiert - sie ist Realität. Die Frage ist, wie wir mit ihr umgehen.
Die Sozialpsychologie kennt das Phänomen der "In-Group-Präferenz": Wir fühlen uns zu Menschen hingezogen, die uns ähnlich sind. Das ist menschlich, aber es birgt Gefahren. Wenn wir nur noch mit Gleichgesinnten sprechen, entsteht eine Echokammer, in der andere Perspektiven verstummen.
Dialog bedeutet nicht, Unterschiede zu verwischen. Es bedeutet, sie anzuerkennen und trotzdem - oder gerade deshalb - ins Gespräch zu kommen. Nicht um den anderen zu überzeugen, sondern um zu verstehen. Auch um dabei sich selbst besser zu verstehen. Und das Anders-Sein der Person auszuhalten. Forschung zur interkulturellen Kompetenz zeigt: Menschen, die in vielfältigen Umgebungen leben und arbeiten entwickeln größere kognitive Flexibilität. Sie lernen, zwischen verschiedenen Perspektiven zu wechseln, Ambiguität auszuhalten, komplexe Situationen differenziert zu betrachten.
Der Ramadan ist ein muslimischer Fastenmonat, keine Frage. Doch die Werte, die er verkörpert - Empathie, Selbstreflexion, Gemeinschaft - sind universell. Auch wer nicht fastet kennt den Wert der Einkehr, des bewussten Verzichts, der Solidarität mit anderen. Interreligiöser Dialog ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. In pluralen Gesellschaften entscheidet sich die Zukunft daran, ob wir lernen, mit Differenz konstruktiv umzugehen. Ob wir Vielfalt als Bedrohung sehen oder als Einladung, den eigenen Horizont zu erweitern. In einer Welt, die spaltet, ist dies eine radikale Haltung: Vielfalt nicht zu fürchten, sondern aufeinander zuzugehen.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Johannes Brahms
Album: Brahms Klavierwerke - Sophie Mayuko Vetter
* Intermezzo Nr.1 Es-Dur. Andante moderato
Titel: Drei Intermezzi op.117 (1892)
Solist/Solistin: Sophie-Mayuko Vetter
Länge: 06:00 min
Label: hänssler Classic 98048
