Eine Person geht an Plakaten der Kampagne „Nein zur Halbierung des SRG SSR“ vorbei. Die Slogans lauten: "Zerstörung des Zusammenhalts" und "Gegen die Volksinitiative 200 Franken sind genug"

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doublecheck - das Ö1 Medienmagazin

Der Sturm auf das Bollwerk hält an

Am 8. März entscheidet Wahlvolk in der Schweiz zum zweiten Mal über die Zukunft seines öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die sogenannte SRG-Initiative könnte weitreichende Folgen haben, selbst bei einer Ablehnung sind harte Schnitte für die SRG fix. In Deutschland würgen ARD und ZDF am Umgang mit der AfD, die vom Verfassungsschutz in weiten Teilen als rechtsextrem eingestuft wird. Im ORF-Stiftungsrat werden parteipolitische Scharmützel ausgefochten. Die Öffentlich-Rechtlichen als demokratiepolitisch wichtiges Bollwerk in einem medialen Wildwest-Umfeld bleiben unter Druck, und sie liefern auch Angriffsflächen.

Nach der "No-Billag"-Initiative zur kompletten Abschaffung der Gebühren 2018 - sie ist mit großer Mehrheit abgelehnt worden - wird jetzt in der Schweiz die Halbierungsinitiative zur Abstimmung gebracht, die das Ende der SRG in ihrer bestehenden Form bedeuten würde. Fix ist: Auch bei einem Nein zu der Initiative müssen wohl 900 Leute gehen, das ist eine Folge des Gegenvorschlags der Regierung - eine weniger drastische Gebühren-Kürzung. Was macht das mit den Redaktionen? Und wie kann man den Teufelskreis einer nicht enden wollenden Abbau-Diskussion für die Öffentlich-Rechtlichen durchbrechen? #doublecheck hat bei Experten und betroffenen Journalisten nachgefragt.

Stiftungsrat verloren im Parteienstreit

Weiterhin bieten die Öffentlich-Rechtlichen auch selbst Angriffsflächen für ihre Gegner - in der Schweiz sind das auch libertäre Kräfte, die finden, dass der Markt das mit der SRG schon regeln werde. Zumeist sind es Rechtspopulisten, in Österreich sitzt einer von ihnen für die FPÖ im ORF-Stiftungsrat und sorgt im Jahr der Neubestellung der Geschäftsführung für nie da gewesene parteipolitische Scharmützel. Das Gremium wirke bisweilen gelähmt, heißt es. In Deutschland wiederum tut sich die ARD schwer damit, wie sie mit der AfD umgehen soll. Unreflektierte Sendezeit im Sonntagabend-Talk bei Caren Miosga, lautet ein Vorwurf. Ein anderer Aufreger: Der NDR hat Julia Ruhs - ein personelles Signal des Bayerischen Rundfunks an die AfD-Klientel - als Moderatorin abgesetzt.

Ein Brain-Drain im Journalismus droht

Es sind aber nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender unter Druck, auch bei den Privaten kracht es anhaltend: Nach einer beispiellosen Kündigungswelle in mehreren Medienhäusern 2025 - vor allem in der Zeitungsbranche - musste man 2026 nicht lange auf die nächste Hiobsbotschaft warten. Die Sendergruppe ProSieben.Sat1.Puls4 streicht 45 weitere journalistische Jobs. Kein Wunder, dass Lydia Ninz von Ajour - das ist eine Anlaufstelle für arbeitslose Journalistinnen und Journalisten - berichtet: "Wir werden überrannt." Ninz warnt vor einem Brain-Drain, der Journalismus werde ausgehungert, und die geschwächten Redaktionen seien den Herausforderungen unserer Zeit nicht gewachsen.

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