Betrifft: Geschichte
Venezuelas historisches Schicksal
Von der Kolonie zur Unabhängigkeit und wieder zurück. Mit: Johannes M. Waldmüller und Laura Rodriguez vom Forschungsverbund Lateinamerika am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.
26. März 2026, 15:55
Das Gebiet des heutigen Venezuela war ursprünglich von verschiedenen indigenen Völkern besiedelt.
1498 betrat Christoph Kolumbus, auf seiner dritten Entdeckungsreise, als erster Europäer die Küste Venezuelas. Kurz darauf erhielt das Land seinen Namen, der auf Deutsch übersetzt "Klein-Venedig" bedeutet. Während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verpfändete Kaiser Karl V. Venezuela an die süddeutsche Kaufmannsfamilie der Welser.
Begleitet war die spanische Kolonialisierung durch eine starke Unterdrückung und Dezimierung der indigenen Bevölkerung. Für den Betrieb von Kakao-, Zucker-, Tabak-, Kaffee- und Baumwollplantagen wurden viele afrikanische Sklaven in das Land verschleppt. Im 17. und 18. Jahrhundert begann die Christianisierung der indigenen Stämme. Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs der Widerstand gegen die spanische Herrschaft. Zur zentralen Figur der Unabhängigkeitsbewegung avancierte Simón Bolívar. Obwohl sich Venezuela bereits 1811 erstmals für unabhängig erklärte, konnte diese erst 1821 endgültig erreicht werden. In der Folge wurde das Land Teil der Republik Großkolumbien. Nur wenige Tage nach dem Tod von Bolívar am 17. Dezember 1830 erklärte sich Venezuela zu einem eigenständigen Staat. Das restliche 19. Jahrhundert war durch Aufstände, Bürgerkrieg und Revolutionen geprägt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden große Erdölvorkommen entdeckt. Die Ölförderung machte das nach wie vor politisch instabile Land zu einem der reichsten Staaten Lateinamerikas. Damit verbunden war eine immer größer werdende soziale Ungleichheit. 1958 endete eine lange Militärdiktatur, auf diese folgte eine Phase demokratischer Regierungen. Als der Ölpreis ab Mitte der 1980er Jahre einbrach, führte das zu einer lange anhaltenden Wirtschaftskrise. Nach mehreren Putschversuchen, unter anderem von Hugo Chàvez, wurde dieser 1998 zum Präsidenten gewählt. Seine politischen Ziele waren die Stärkung der direkten Demokratie, der Kampf gegen die grassierende Korruption und die Verteidigung der ökonomischen Unabhängigkeit des Landes. Nach Chávez Tod im Oktober 2012 übernahm Nicolás Maduro die Herrschaft im Land. Bei den seither abgehaltenen Wahlen wurde er mehrfach des Wahlbetrugs bezichtigt. Unter dem Vorwand, den Drogenhandel durch Venezuela zu unterbinden, wurde Maduro nach einem US-amerikanischen Angriff auf das Land Anfang Jänner 2026 von US-Spezialkräften entführt. Das mittelfristige Ziel der USA ist es, den Einfluss in der Region zu stärken und sich damit den Zugriff auf die reichen Rohstoffvorkommen des Landes zu sichern.
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