Radiokolleg

Die Sudetendeutschen. Offene Wunden (2)

Mnichovská zrada. Der Münchner Verrat

Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gewann die "Heim ins Reich"-Bewegung unter den Sudetendeutschen immer mehr Anhänger. Sie wurde von Deutschland gefördert und zielte darauf ab, das Sudetenland von Prag zu lösen. Im März 1938 wies Hitler den Vorsitzenden der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein, an, der tschechoslowakischen Regierung bewusst unannehmbare Forderungen zu stellen, um jede Möglichkeit eines Kompromisses auszuschließen.
Mit dem "Münchner Abkommen", das bis heute in Tschechien und der Slowakei der "Münchner Verrat" genannt wird, erzwang Deutschland die Abtretung des Sudetenlandes, es wurde zum deutschen Reichsgau. Die Abtretung betraf jenes tschechoslowakische Gebiet, in dem überwiegend deutsche Bevölkerung lebte. Großbritannien, Frankreich und Italien erklärten sich einverstanden in der Hoffnung, weiteren Aggressionen Hitlers vorzubeugen. So musste die Tschechoslowakei zusehen, wie ihr Staat geschwächt und später zerschlagen wurde.
Die Gestapo verhaftete Tausende, die jüdische Bevölkerung wurde systematisch entrechtet, (oft nach Theresienstadt) deportiert und ermordet. Viele nicht wehrpflichtige Tschechen wurden zur Zwangsarbeit ins Reich geholt. Zugleich zielte die NS-Politik auf eine Germanisierung der böhmischen Länder ab.
Das Attentat tschechischer Fallschirmspringer auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich führte zu extremen Racheakten. Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, ihre Bevölkerung ermordet, um Rache für die Attentäter zu nehmen.
Dass ein großer Teil der Sudetendeutschen dem NS-Staat loyal gegenüberstand und NS-Partei und -Organisationen einen überdurchschnittlich hohen Zulauf hatten, war Anlass für späteren Revanchismus. 1946, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, erklärt ein Amnestiegesetz des neuen Staates die an Sudetendeutschen begangenen Verbrechen für straffrei.

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