Radiokolleg
Die Sudetendeutschen. Offene Wunden (4)
Usmírení - Versöhnung?
2. April 2026, 09:05
1997 akzeptierten deutsche Vertriebenenverbände die gemeinsame Erklärung der tschechischen und deutschen Regierung. Darin bedauerte die deutsche Seite das Unrecht durch die nationalsozialistischen Verbrechen, die tschechische die Vertreibung, Aussiedlung und Enteignung der Sudetendeutschen.
Knapp 20 Jahre später verzichtete die Sudetendeutsche Landsmannschaft offiziell auf "Wiedergewinnung der Heimat" und eine "Restitution oder gleichwertigen Entschädigung".
Heute gibt es zahlreiche Kooperationen, Studienprogramme, Versöhnungsmärsche und Veranstaltungen, die das Miteinander in den Vordergrund stellen. Dennoch lehnte das tschechische Abgeordnetenhaus noch 2009 Bemühungen ab, die Nachkriegs-Eigentumsverhältnisse zu ändern und Häuser oder Grundstücke zu restituieren.
Vergeben und vergessen ist also längst nicht. Das zeigt sich auch, wenn bis heute in einschlägigen Zeitungen NS-Gräuel und Feindseligkeit von Seiten sudetendeutscher Verbände vor dem Zweiten Weltkrieg ausgeblendet werden und nur auf das erlittene Unrecht auf tschechischer Seite eingegangen wird. Oder Bürgerinitiativen und Vereine in Tschechien gegen den - erstmals in Tschechien stattfindenden - Sudetendeutschen Tag protestieren, weil ihrer Ansicht nach eine solche Veranstaltung nach den Verbrechen der Nationalsozialisten nichts in Brünn verloren hätte.
Dennoch: Es gibt zahlreiche Initiativen und Versöhnungsprojekte, die sich um ein gutes Miteinander und eine konstruktive Aufarbeitung bemühen.
